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AjLE NRW
(Ausschuss junger LehrerInnen und ErzieherInnen)

Berufsleitbild von Lehrerinnen und Lehrern

Vorwort

Prozess

Das vorliegende Berufsleitbild von Lehrerinnen und Lehrern ist in einem Arbeitsprozess der Jungen GEW NRW (AjLE) entstanden. In zwei Wochenendseminaren und mehreren Arbeitssitzungen einer Redaktionsgruppe wurde der vorliegende Text entwickelt. Auf den Wochenendseminaren wurden persönliche, berufliche und gewerkschaftliche Leitbilder entworfen, die bei der Erstellung des Textes eingeflossen sind. Das so entstandene Leitbild wurde der Landesdelegiertenversammlung im Oktober 2001 vorgelegt, dort beraten und beschlossen.

Vorstellungen

Grundgedanke für die Erstellung eines Leitbildes war, dass wir als Gruppe innerhalb der Gewerkschaft ganz konkrete schulformunabhängige Vorstellungen von dem Berufsbild einer Lehrerin oder eines Lehrers haben.

Anspruch

Wir haben für uns wichtige Aspekte des Berufes dargestellt und die Vielschichtigkeit unserer Arbeit verdeutlicht. Dabei erheben wir nicht den Anspruch, alles berücksichtigt zu haben.

Selbstverpflichtung

Der AJLE versteht dieses Leitbild als Selbstverpflichtung: Wir versuchen nach den Grundsätzen des Leitbildes zu arbeiten und uns ganz bewusst daran zu messen und messen zu lassen. Wir wollen uns in Schule und Gesellschaft aktiv einsetzen für die Realisierung dieser Utopie.

Utopie

Die im Text formulierten Aspekte sind in vielen Teilen Wunschvorstellungen, wie wir in der Schule arbeiten wollen und zeigen auf, welche Rahmenbedingungen für uns notwendig sind.

Individualität

Dem AJLE ist wichtig, dass mit diesem Leitbild nicht eine einheitliche Lehrerin oder ein einheitlicher Lehrer beschrieben wird, sondern dass das Leitbild Raum für individuelle Stärken, Schwächen und Schwerpunktsetzungen von Kolleginnen und Kollegen bietet. Es geht uns ebenso nicht darum ein Anforderungsprofil für "gute Lehrerinnen und Lehrer' zu entwickeln, sondern dieses Leitbild spiegelt unsere Vorstellungen vom Lehrerberuf wider. Deshalb ist der Text bewusst in der Wir-Form verfasst.

StandPunkt

Wir wollen uns nicht für unseren Beruf rechtfertigen, sondem transparent machen, was es heißt Lehrerin oder Lehrer zu sein. Dabei ist uns klar, dass wir besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, weil jeder verschiedenste schulische Erfahrungen gesammelt und somit eigene Lehrerbilder mitgenommen hat. Diesen Blicken stellen wir uns mit dem Leitbild und machen eine Darstellung unseres Berufsverständnisses öffentlich.

Grundsätze

Schulbildung ist Voraussetzung für die aktive Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft. Schule muss daher selbst nach demokratischen Grundsätzen gestaltet sein. Sie kann dieser grundlegenden Aufgabe dann gerecht werden, wenn der Staat ihre inhaltliche und finanzielle Unabhängigkeit gewährleistet. Nur so ist Chancengleichheit für alle möglich.

Den äußeren Rahmen von Schule bilden Schulträger, Schulaufsicht, Politik, Wirtschaftsunternehmen im dualen System sowie Gewerkschaften und Verbände.

Daneben versucht eine Vielzahl von Interessengruppen Einfluss auf die Gestaltung von Schule zu nehmen.

Trotz dieser Dependenzen ist es notwendig, dass konkrete Entscheidungen in der Schule unabhängig von direkter äußerer Einflussnahme bleiben. Wir treffen Entscheidungen auf der Grundlage pädagogischer Notwendigkeiten und der Bedürfnisse von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen.

Wir wirken in den Gremien, die Schule bestimmen, mit um für unsere Vorstellungen von Schule zu werben und sie über diese Wege durchzusetzen.

Wir betrachten die Integration der Menschen aus gesellschaftlich benachteiligten Gruppen als unsere besondere Aufgabe. Hierbei denken wir unter anderem an Menschen mit Behinderungen, mit Migrationshintergrund und an solche, die aufgrund ihrer sexuellen oder konfessionellen Orientierung Benachteiligungen erfahren.

Wir prägen mit unserer Persönlichkeit die Schule

Wir sind Fachleute für Schule. Wir sind eigenständige Persönlichkeiten mit Stärken und Schwächen. Das findet seinen Widerhall in unserer Einstellung zum Beruf und in unserem Verhalten im Unterricht. Wir sind positives Vorbild, weil wir Menschen persönlich ansprechen, Meinungen ernst nehmen und damit die Bereitschaft wecken, Meinungen zu vertreten. Dadurch prägen wir maßgeblich die Schule.

Zu den beruflich notwendigen persönlichen Qualifikationen zählen neben fachlichem Grundlagenwissen auch Methoden und Sozialkompetenz sowie Kritik und Konfliktfähigkeit. Wir sind in der Lage, unsere Arbeit selbstkritisch zu reflektieren. Bei unserer Arbeit stoßen wir immer wieder an Grenzen unserer Kompetenzen und persönlichen Belastbarkeit.

Wir nehmen unseren Bildungs und Erziehungsauftrag ernst

Wir verwirklichen allgemein anerkannte Erziehungsideale entsprechend den geltenden Richtlinien. Die Motivation für unsere Arbeit entspringt unserem persönlichen pädagogischen Anliegen.

Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern Wege zur Lebensbewältigung aufzuzeigen. Wir wollen Kinder und Jugendliche zu Selbstständigkeit, Ehrlichkeit und Offenheit befähigen. Sie sollen in der Lage sein, ihre eigenen Stärken und Schwächen treffend einzuschätzen. Jedes Kind wird von uns in seiner Individualität ernst genommen. Seine Neugierde wird geschätzt. Wir geben Sicherheit und Geborgenheit, sind aber auch unangenehm und “treten auch schon mal jemanden in den Hintern”.

Bei der Integration von Menschen aus gesellschaftlich benachteiligten Gruppen sind wir Wegbereiter.

Wir vermitteln Basiskompetenzen

Basiskompetenzen sind für uns qualifiziertes Grundwissen und die Fähigkeit selbstständig damit umzugehen. Zudem vermitteln wir Methoden, Ich und Sozialkompetenz.

Wir fördern selbstständiges Lernen. Die vielfältigen Leminhalte, formen und wege ergeben sich aus der Lebenswirklichkeit der SchülerInnen und fließen in diese zurück. Dieser adressatlnnengerechte Unterricht ermöglicht positive Lemerlebnisse. Wir beachten die Situation von Menschen aus benachteiligten Gruppen sowie den Gedanken der reflexiven Koedukation. Damit fördern wir die Freude am Lernen und Lehren. Diese wird auch durch unsere eigene Begeisterung unterstützt.

Wir sind kompetent durch Aus und Weiterbildung. Grundlage bildet ein wissenschaftliches Studium. Die ständige Reflexion unseres Tuns zeigt uns die Defizite in unserem professionellen Handeln. Wir beheben diese durch qualifizierte Fortbildungsmaßnahmen.

Wir arbeiten im Team

Wir arbeiten an einem gemeinsamen Arbeitsplatz. Wir sorgen uns um ein gutes Arbeitsklima. Deshalb fördern Wir das Arbeiten im Team. Pädagogische und fachliche Probleme diskutieren wir mit Kolleginnen und Kollegen, Wir geben Hilfestellungen und finden Lösungen. Bei gemeinsamen Aufgaben diskutieren wir pädagogische Leitlinien, erarbeiten Kompromisse und stellen einen Konsens her, der von allen umgesetzt wird. Wir bringen unsere persönlichen Vorstellungen von Erziehung und Unterricht ein und respektieren die individuellen Vorstellungen der anderen. Wir nehmen Anregungen und Erfahrungen älterer Kolleginnen und Kollegen an und setzen durch unsere eigenen Erfahrungen neue Impulse. Dabei betrachten wir unsere eigenen Leitlinien kritisch. Entscheidungen, die die gesamte Schule betreffen, werden auf Dauer weniger von der Schulleitung allein getroffen. Wir übemehmen kompetent und eigenverantwortlich einzelne Aufgaben im Schulleben, entlasten uns dadurch gegenseitig und stellen schulische Entscheidungen auf eine breite Basis im Kollegium.

Wir bilden aus

Wir arbeiten nicht nur mit Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig sind wir kompetent für die Ausbildung von Erwachsenen, denn wir bilden Lehrerinnen und Lehrer in den verschiedenen Phasen ihrer Ausbildung aus. Wir arbeiten nicht nur an Schulen, sondem auch an Universitäten und Studienseminaren. Dies nutzen wir um unseren Blickwinkel zu verändern. Wir sind offen für neue Ideen, die durch Ausbildungssituationen in die Schule getragen werden.

Wir arbeiten auch außerhalb des Unterrichts

Für uns ist Schule nicht nur Unterricht sondern bietet in ihrer räumlichen und sachlichen Ausstattung auch einen Ort für die Vor und Nachbereitung von Unterricht, die Beratung von Schülerinnen, Eltern und Kolleginnen sowie die Arbeit mit dem Umfeld der Schule.

Wir organisieren für Schülerinnen, Eltern und andere Gruppen einen verlässlichen Rahmen mit festen Unterrichts sowie verlässlichen Sprechzeiten.

Wir streben auf allen Ebenen unserer Arbeit eine ständige Weiterentwicklung an, indem wir innovationsbereit und offen sind. Wir lassen uns durch Rückschläge nicht entmutigen. Das Mittel der Evaluation nutzen wir, um fundierte Rückmeldungen über unsere Arbeit zu erhalten. Die Ergebnisse der Evaluation sowie die Arbeit selbst machen wir nach innen und außen transparent und stellen uns den Reaktionen. Wir benötigen fest verankerte Ruhephasen, um Entwicklungen beobachten und reflektieren zu können und um Energie zurückzugewinnen.

Wir kooperieren mit Institutionen und Interessengruppen innerhalb und außerhalb des Bildungssystems

Unsere Schülerinnen und Schüler erleben Erziehung und Bildung in verschiedenen Institutionen innerhalb und außerhalb des Bildungssystems: in Kindergärten, Grundschulen, Sonderschulen, Sekundarschulen, Hochschulen und Betrieben, aber auch in Jugendverbänden, Freizeiteinrichtungen, Museen, in Religionsgemeinschaften, in der Familie, durch weitere staatliche Einrichtungen, in Therapien... Um eine Kontinuität des Lehrens, Lemens und Erziehens sicherzustellen, ist Zusammenarbeit notwendig. Gemeinsam gestalten wir die Erziehung und Bildung zum Wohle der Schülerinnen und Schüler.

In unserer Bildungsarbeit greifen wir auf Kompetenzen zurück, die in den Lern und Lebensgruppen der Schülerinnen und Schüler erworben wurden. Wir vermitteln unsererseits Kompetenzen, die in diesen Gruppen notwendig sind. Dies wird gewährleistet durch Informationsaustausch zwischen allen beteiligten Fachkräften. Insbesondere die Eltern werden durch aktive Mitarbeit an der Erziehung und Bildung ihrer Kinder in der Schule beteiligt

Wir beraten Schülerinnen und Schüler sowie Eltern im Hinblick auf die Schullaufbahn, berufliche Perspektiven, Freizeitgestaltung und eine verantwortungsbewusste Lebensführung. Hierbei kooperieren wir mit außerschulischen Fachkräften (Arbeitsamt, Jugendamt, Sozialpädagoginnen, schulpsychologischer Dienst, Ärztinnen ... ).

Köln, 27. Oktober 2001

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LehrerInnen, die uns begeistert haben,
( Die folgende Aufzählung umfasst Zitate aus der Arbeit des 1. Seminars. Sie sollen als Layoutmaterial verwendet werden, z. B. als Laufleiste unter allen Seiten stehen)
sind neugierig, lassen sich von SchülerInnen mitreißen, haben Freude am Lernen und Lehren, haben Spaß an der Arbeit, sind MenschenfreundInnen, sind offen für die Welt, sind sich ihrer selbst bewusst, sind freundlich, sind geduldig, authentisch, sind beeindruckende Persönlichkeiten, sind gefestigte Personen, besitzen persönlich Stärke, verhalten sich ruhig und angemessen, sind konsequent, reagieren spontan, sind einfühlsam, sind empathisch, sind ausgeglichen, sind gerecht, sind lässig, sind humorvoll, geben Sicherheit, wecken neue Interessen, sind persönlich zugänglich, sind einschätzbar, sind gerecht, sind durchschaubar, sind bei Problemen ansprechbar, nehmen andere ernst, sind begeisternd, beteiligen die SchülerInnen an Enscheidungsprozessen, stellen ein Vorbild dar, geben Selbstbewusstsein, fördern Stärken, stellen passende Anforderungen
 

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