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Wohin das gegliederte Schulwesen führt

Apartheid  im  Schulwesen  einer Ruhrgebietsstadt

(Das Beispiel Gelsenkirchen)


Es geht hier einmal nicht um Probleme sozialer und ethnischer Selektion, welche durch die weite Verbreitung der konfessionellen Grundschulen – insbesondere durch die katholischen – hervorgerufen werden. (Probleme übrigens, mit denen NRW in der BRD und weit darüber hinaus ziemlich einzigartig dasteht.) Die Lage in diesem Bereich ist weitgehend bekannt. Sondern es geht um die Lage in den Sekundarstufen I und II der allgemeinbildenden Schulen.

Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler im 5. Jahrgang liegt in Gelsenkirchen bei ca. 25 % - mit deutlich steigender Tendenz in den nächsten Jahren. Die Aufgabe ihrer Beschulung und Integration ist jedoch  – wie überall - ungleich verteilt. Dafür sorgen die dem deutschen gegliederten Schulwesen immanenten strukturellen Selektionsmechanismen, die offensichtlich auch durch umfassende Fördermaßnahmen und Durchlässigkeit zwischen den Schulformen nicht auszuhebeln sind. Im Ergebnis dieser Selektionsmechanismen hat sich eine deutliche Polarisierung herausgebildet mit rein deutschen Schulghettos auf der einen und nicht-deutschen Schulghettos auf der anderen Seite. Integration und Interkulturelle Erziehung werden dadurch außerordentlich erschwert wenn nicht unmöglich.

Dem gegliederten Schulwesen ist offensichtlich neben der Potenz der sozialen Selektion auch ein struktureller, institutioneller Rassismus wesenseigen, der sich  - gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Beteiligten - im Ergebnis immer wieder aufs neue durchsetzt.

Die folgenden Zahlen spiegeln das wahre Ausmaß des Problems bekanntlich nur zum Teil wider, da immer mehr Kinder und Jugendliche ohne hinreichende deutsche Sprachkenntnisse und mit Migrationshintergrund einen deutschen Pass haben, in der Statistik also nicht mehr als “Ausländer”  auftauchen.

Die Zahlen

  • An der Schule für Lernbehinderte Malteserstrasse liegt der Anteil der ausländischen  SchülerInnen im 5. Jahrgang bei 66,7 % , an der Gesamtschule Ückendorf bei 66,49 %, an der Hauptschule Eppmannsweg bei 50,7 %, an der Gesamtschule Berger Feld bei 41,12 %
     
  • Am Annette-von-Droste-Hülshoff Gymnasium liegt der Anteil der ausländischen  SchülerInnen ab dem 7. Jahrgang bei ca. null % .
     
  • 5. Jahrgang:
    Im 5. Jahrgang der Gesamtschule Ückendorf befinden sich beinahe ebenso viele ausländische Schülerinnen und Schüler wie an allen Realschulen und Gymnasien Gelsenkirchens zusammengenommen.
    Anders gesehen: im 5. Jahrgang der Gesamtschule Ückendorf befinden sich beinahe ebenso viele ausländische Schülerinnen und Schüler wie an allen Hauptschulen Gelsenkirchens zusammengenommen.
     
  • Von den 7 Gelsenkirchner Gymnasien erfüllen nur drei mehr oder weniger ihre Integrationspflicht: eines hat ausländische Schülerinnen und Schüler entsprechend dem städtischen Durchschnitt aufgenommen (Grillo Gymnasium) sowie ein weiteres zumindest annähernd (Ricarda-Huch-Gymnasium). Auch am Schalker Gymnasium ist eine erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen: nach Werten deutlich unter 10 % in den vergangenen Jahren ist in diesem Jahrgang erstmals eine Quote von immerhin knapp 18 % zu verzeichnen.
     
  • Skandalös ist die Lage an den anderen 4 Gymnasien (Annette-von-Droste-Hülshoff, Max-Planck, Leipniz und Gauss Gymnasium): sie haben nur in minimalem Umfang ausländische Schülerinnen und Schüler aufgenommen (um 5 % oder gar deutlich darunter).
     
  • Das Ende der Schulzeit:
    In der Jahrgangsstufe 13 von Gauß, Max-Planck, AvD und Schalker Gymnasium sind zusammengenommen ganze 5 (fünf) ausländische Schülerinnen und Schüler (davon 4 am MPG).Wohlgemerkt: nicht 5 % sondern insgesamt ganze 5 Schülerinnen und Schüler. Am Grillo Gymnasium allein sind es 17,  am Ricarda-Huch Gymnasium allein sind es 21. 
     
  • Auch eine Realschule liegt bei nur etwa 5 % im 5. Jahrgang.
     

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Quelle:  Stadt Gelsenkirchen, Schülerjahresstatistik 2001 / 2002, Hrsg.: OB der Stadt Gelsenkirchen, Oktober 2001
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Rolf Jüngermann

 

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