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Lehrplan und Anspruchsniveau
So können nach meinen Erfahrungen Waldorfschüler, die nach den Klassen 3, 6 und 8 in eine Grund- und Hauptschule wechseln, nur schwer an den Wissensstand der gleichaltrigen
Mitschüler anschließen (auch wenn das von Waldorfschulen kräftig dementiert wird). Auf Realschulen muss in der Regel um ein Jahr, auf Gymnasien unter Umständen sogar um zwei Jahre zurückgestuft werden. Und selbst
dann fehlt es an Grundwissen. Je später ein Wechsel erfolgt, um so aussichtsloser scheint ein problemloses Übertreten in das öffentliche Schulsystem zu sein!
Bescheiden und überschaubar ist dagegen der Lehrplan der Freien Waldorfschulen. Spartanisch einfach nimmt er sich aus gegenüber dem staatlichen (stattlichen?) Curriculum. Doch
genau das scheint wohl den Reiz der Waldorfschulen auszumachen, dass es dort eigentlich keinen Lehrplan im üblichen Sinne gibt. (Ob das auch alle Eltern wirklich wissen? Wir wussten es nicht!) Es gibt nur
"Lehrplanrichtlinien", die Rudolf Steiner vor über 80 (!) Jahren für die Stuttgarter Waldorfschule aufgestellt hat und die heute noch für alle nachfolgenden Waldorfschulen in fast unveränderter Form
maßgebend sind. Diese Richtlinien sind die Grundlage der Waldorfschul-Pädagogik. Und diese Pädagogik beruht einzig und allein auf den menschenkundlichen Erkenntnissen von Rudolf Steiner, die er durch meditatives
Schauen erworben haben will.
Alles was über diese Richtlinien (zur Darstellung reichte der Autorin Caroline von Heydebrand ein schmales Büchlein, das seit 1919 mit nur geringfügigen Korrekturen gilt)
hinausgeht, dürfen die Waldorflehrer angeblich selbst bestimmen und müssen dies auch verantworten. Der Waldorflehrer ist unternehmerisch tätig, sagt Steiner. Das heißt auch, er haftet für das was er sagt und tut –
die Schule selbst trifft nie die Schuld! (S. 30)
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lesen lernen - so spät wie möglich
Es gibt zwar keine Lehrbücher, Lesebücher aber schon. "Der Sonne Licht" - für die Klassen zwei bis vier gedacht - wurde bereits im Jahre 1928 von Caroline von Heydebrand
verfasst und seitdem kaum verändert. Das dürfen Waldorfkinder lesen (wenn sie können) und das dient auch als Grundlage für den Grammatik-Unterricht. Hier zieht sich ein moralisierender Lesestoff durch das gesamte
Buch. Das Gleiche gilt für die neuere Lesebuchausgabe "Schau in die Welt". Doch der Schüler soll ja noch gar nicht lesen - so spät wie möglich nach Steiner. Eine Waldorflehrerin in den Konferenzen (1923)
berichtet daher entsetzt: "Ich habe eine Schülerin in der ersten Klasse, die kann schon lesen!" Der Schüler soll zuhören und zwar dem Waldorflehrer. Das Erzählte darf auch nicht angezweifelt werden. Ja, es
darf nicht einmal darüber diskutiert werden und auf keinen Fall vor dem zwölften, besser erst nach dem 14. Lebensjahr. In staatlichen Schulen wird die Meinungsbildung der Schüler kräftig gefördert und jede Menge
meinungsbildender Aufsätze geschrieben. Doch Steiner sagt: "Wer ein Kind zu früh zum Urteil entwickelt, zum selbstständigen Urteil, der bringt Todeskräfte statt lebendiger Kräfte in das sich entwickelnde Kind
hinein." Außerdem: "Bis in das 14. Lebensjahr hinein urteilt der Mensch nicht, und wenn man ihn zum Urteilen anhält, so zerstört man sein Gehirn." Und darum heißt es hier, was der Lehrer sagt, ist
richtig, was der Lehrer tut, ist gut. Die Autorität des Waldorflehrers ist nicht anzufechten. Dem haben sich jedoch nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern (die dürften längst schon über 14 sein) zu
unterwerfen. "Unsere Pädagogik erfasst so tief das Wesen des Kindes, dass die Eltern nur die Wahl haben, freudigen Anteil an diesem Werden zu nehmen ... oder kritisch abseits zu ,stehen", sagt der
anthroposophische Waldorfexperte Stefan Leber dazu. Aber der Klassenlehrer einer Waldorfschule ist als "mehrfach gesiebter Vollanthroposoph" (so Steiner selber) ja auch kein gewöhnlicher Mensch und Lehrer.
"Er ist berufen, er ist von höheren Mächten auserwählt. Und er hat einen Auftrag für die gesamte Weltentwicklung. Für ihn ist die Schule nicht einfach Schule, Erziehen nicht einfach Erziehen. Schule ist eine
heilige Verpflichtung zum Gemeinschaftsdienst. Lehren ein `religiöser Kult' und Erziehen eine `Weihe'." Und Kritik der Eltern kratzt an dem Podest, auf dem er steht. (S. 111)
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Der Waldorfabschluss - Nach 12 Jahren vor dem Nichts
Doch zum Lachen ist manchen Schülern wirklich nicht zumute, wenn sie nach zwölf Schuljahren quasi vor dem Nichts stehen. Die örtliche Presse berichtete über zehn Waldorfschüler
einer 8. Klasse, die mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, als sie in ein öffentliches Gymnasium übertreten wollten. Eine ehemalige Waldorfschülerin schrieb dazu einen Leserbrief, der im Februar 1997 im
Augsburg Journal abgedruckt wurde: "Nach der 12. Klasse erhält man, wie vielleicht kaum einer weiß, einen sogenannten `Waldorfabschluss', der keinem der staatlichen Abschlüsse gleichkommt, also folglich den
Schülern nichts bringt. Ab der 12. Klasse wird die Klassengemeinschaft in Mittlere Reife- und Abiturgruppen unterteilt, wobei hier die Anzahl der Abiturienten schon der Minderheit entspricht! . . .
Abschlüsse und Anerkennung sind regional verschieden. In einigen Bundesländern wird der so genannte Waldorfabschluss nach der 12. Klasse als Fachhochschulabschluss oder auch
Mittlere Reife anerkannt. Auf staatlichen Schulen gibt es den nach der 10. Klasse. In Bayern wird auf Waldorfschulen die Prüfung zur Mittleren Reife oder zum Abitur erst nach der 13. Klasse abgelegt. Wer durchfällt,
hat die Möglichkeit zu wiederholen oder erhält das Waldorf-Diplom. Es muss ja schließlich nicht alles in diesem Erdenleben erreicht werden. "Einsichtige" Unternehmen erkennen den Waldorfschulabschluss auch
an, versichert die Schule. Ich vermute, damit sind Biobauern, Bioläden und eventuelle andere Freunde der anthroposophischen Bewegung gemeint.
"Es ist die Frage, ob wir es wagen sollen, denen, die zu uns kommen, von vorneherein zu sagen, wir bereiten ja gar nicht zu irgendeiner Matura [Abitur] vor, und es ist jedes
Schülers Privatsache, ob er dann zur Matura [Abitur] kommen wird oder nicht", überlegte Steiner in einer Lehrerkonferenz vom 5. Februar 1924. Man entschloss sich wohl zu schweigen, denn davon erfahren bis zum
heutigen Tage die Eltern und die Schüler nichts. (S. 141)
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"Meistens hapert's in den Sprachen"
Viele Schüler sind gegangen. Der Rest wurde zumindest in unserem Fall ständig mit vielen neuen Lehrern konfrontiert - auch während des Schuljahres. Die Erklärungen der Schule dazu
waren meist fadenscheinig. Sie passten nicht ins Lehrerkollegium, wurde beispielsweise gesagt. In der Regel wurden aber gar keine Erklärungen abgegeben. Der wahre Grund, so nehme ich an: Diese Pädagogen zeigten kein
geläutertes Denken; sie passten nicht zum Geist der Schule (Steiner-Ausdruck). Manche verschwanden sehr schnell wieder, andere hielten ein ganzes Jahr durch. Die Langjährigen waren entweder Anthroposophen oder
hatten sich rein waschen (läutern) lassen. Die wesentlich geringere Klassenstärke in der Oberstufe wurde waldorfseits als "Umkipp-Phänomen" der Eltern bezeichnet. Zuerst sei man schnell begeistert, später
um so schneller enttäuscht. (Natürlich zählten wir uns damals nicht dazu!)
Der ständige Lehrerwechsel in den oberen Klassen beunruhigt nicht nur die Eltern, sondern irritiert auch die Schüler. Denn plötzlich gibt es auch annähernd normalen Lehrstoff und
umfangreiche Hausaufgaben. Manche Eltern, die fest auf die Lehrmethoden der Schule und des Klassenlehrers vertraut haben (Das kommt schon noch!), stellen bei ihrem Kind plötzlich fest: "Da ist so gut wie nichts
vorhanden!" Damit diese Schüler mit dem neuen Lehrstoffangebot (meistens hapert's in den Sprachen) nicht überfordert werden, rät ein "verständnisvolles" Waldorfpädagogenteam auf den Verzicht der
zweiten Fremdsprache. Der direkte Weg zum Abitur ist somit verbaut.
"Die Enttäuschung kommt dann in der Oberstufe, also in der 10., spätestens aber in der 12. Klasse, wenn Noten gegeben werden müssen", berichtet der ehemalige
Waldorflehrer Paul-Albert Wagemann. "Hier ist dann auch oft der Zeitpunkt erreicht, wo sich die sonst bis zur Selbstverleugnung tolerante Elternschaft zu Wort meldet, ja protestiert. So hagelte es gerade zu der
Zeit, als ich einen Fachlehrer ablösen sollte - ich war der fünfte innerhalb von sieben Jahren (!) - geharnischte Proteste von den Eltern, nachdem sie das Versetzungszeugnis ihrer Kinder von der 11. und 12. Klasse
gelesen hatten."
Erfahrene Waldorfeltern haben vorgesorgt und schon längst begleitend Nachhilfe in Mathematik, Englisch und Französisch gegeben (auch wenn die Notwendigkeit dazu bei Waldorf
vehement bestritten wird). Sie wussten es bereits: fremdsprachlicher Unterricht in Waldorfschulen ist nicht selten katastrophal! Die Fächer Englisch und Französisch (in manchen Schulen Russisch) in den Klassen 1 bis
4 sind nach meiner Erfahrung und Meinung überflüssig und lediglich ein Aufblähen des "Stundenplans". Der spätere Fremdsprachenunterricht in "Wort und Schrift" erfolgt ohne Aufbau und System.
Da keine Lehrbücher vorhanden sind (unter Umständen haben einige Schulen jetzt auf Druck der Eltern fremdsprachliche Lehrbücher eingeführt), ertrinkt der Schüler förmlich in einem
Zettelchaos von schlechten Kopien und mehr oder weniger fehlerlosen Tafelabschriften. In den Fächern Mathematik, Chemie, Physik usw. ist es ebenso. Welche Ausgangsbasis für ein Abitur! (S. 138 f)
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Fremdsprachen, Vokabellernen, Grammatikunterricht
Vom Standpunkt der Waldorfpädagogik aus, schreibt Johannes Kiersch in Fremdsprachen in der Waldorfschule (1992), werde man auf die "Gesundheitsschädlichkeit des Vokabeln
Lernens" hinweisen. Steiner warne in diesem Zusammenhang vor einer schädlichen Beschleunigung des körperlichen Wachstums (Akzeleration), vor Blasswerden, Ängstlichkeit und einer Disposition für spätere
Stoffwechselstörungen (Migräne, Sklerose). Er begründe dies folgendenmaßen: "Wenn wir etwa in den Sprachen viel Vokabeln lernen lassen, wenn wir so das Kind durch dieses Auswendiglernen hindurchführen durch ein
unbewusstes Mechanisches, dann ist das ein Prozess, der nach der Sumpfgasentwicklung im Kopf zu hingeht."
Auch der gewöhnliche Grammatikunterricht (im Sprachunterricht wie in Deutsch) sei gesundheitsschädlich, erklärt Waldortlehrer Johannes Kiersch. Denn Steiner sagte dazu im Februar
1923 in einer Sonderkonferenz: "Die Gedärmkrankheiten kommen sehr häufig von dem Unterricht in Grammatik." (S. 140)
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Geschichten statt Geschichte, von Atlantis, den Ariern, Zarathustra, Rosen und Kreuzen Ab Klasse 5: Der tiefe Griff in die anthroposophische Kiste
In der 5. Klasse ist nun der "eigentliche Geschichtsunterricht" angesagt. Die Märchen, Fabeln, Legenden und Sagen waren nur als Vorbereitung gedacht. Von Atlantis,
dem sagenhaften Kontinent, bis zu den ägyptischen Tempeln wird den Schülern beigebracht, was die anthroposophische Schatzkiste zu bieten hat, nur nicht urkundlich erforschte Historie. Welches Geschichtsbild soll da
wohl vermittelt werden? Das Weltbild der 12bis 13-jährigen Schüler unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem Weltbild ihrer Altersgenossen in öffentlichen Schulen. Und das ist auch so beabsichtigt.
"Denn die Geschichtsschreiber selbst sind sich ja uneins", schreibt dazu Hans Rudolf Niederhäuser, und kritisiert, dass in dem Geschichtsunterricht der öffentlichen Schulen nur "dasjenige gelehrt
wird, was diejenigen, die das Schulwesen in den Händen haben, bestimmen". Und da bestehe die Gefahr, so meint er weiter, dass "der Parteien Gunst und Hass in ein und derselben Persönlichkeit eine
Offenbarung des Teuflischen oder Göttlichen sehe".
Und in einem aktuellen Prospekt (Jahresvorschau 2001) des anthroposophischen Studienhauses Rüspe, das unter anderem auch Weiterbildungskurse für WaldorflehrerInnen veranstaltet,
ist zu lesen, dass Wissenschaftler und Privatgelehrte immer öfter zum Schluss kämen, "dass unsere Geschichte erfunden wurde, dass die Chronologie nicht stimmt, dass unsere Geschichtsbücher ganz anders
geschrieben werden müssen. Die ganze Zeit vor 1650 wurde massiv gefälscht, künstlich verlängert und auf Länder
übertragen, wo überhaupt noch keine Geschichtsschreibung vorhanden war. Von China bis nach England, von Skandinavien bis nach Rom und Athen stimmt die Geschichte nicht."
Ja, so denkt man in anthroposophischen Kreisen, und aus diesem Grund, richtet man sich bei dem Fach Geschichte nach "menschenkundlichen" Erkenntnissen. Herausgelesen aus
der okkulten Akasha-Chronik von Herrn Rudolf Steiner; und darin beginnt nun mal der Ursprung alles Lebens auf Atlantis. Wie intensiv das Thema Atlantis in der Schule (nicht nur in unserer Schule) behandelt wurde,
zeigten die Aktivitäten meiner Tochter, die die große Weltkarte abpauste und tagelang versuchte herauszufinden, wie bei einem Puzzlespiel, wo dieser versunkene Erdteil wohl gewesen sein mag.
Sagen und Mythen werden zwar auch in öffentlichen Schulen im Geschichtsunterricht durchgenommen (Atlantis allerdings nicht!). Wie ich aus einem Geschichtsbuch für Gymnasien
entnehme, wird den Schülern erst einmal ausführlich und deutlich der Unterschied zwischen "Geschichte" und "Geschichten" erklärt. Anders bei Waldorf. Dieser Hinweis fehlte in den Epochenheften,
die als Buchersatz für Waldorfschüler gedacht sind und genauen Einblick in den Unterricht geben müssten. Als Einführung wurde lediglich darauf hingewiesen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen
66 Jahre betrage und "eine Generation = 33 Jahre" bedeute. Anschließend folgte ohne jede weitere Kommentierung der nachstehende Text:
Atlantis Mehr als 500 Generationen müssen wir zurückgehen, um uns in die Zeit zu versetzen, von der uns Platon schildert. Jenseits der Säulen des Herakles (Gibraltar) gab es einen
gro,/3en Kontinent, über den mächtige Könige herrschten: Atlantis: An einem schrecklichen Tag und einer schrecklichen Nacht sei dieser im Atlantischen Ozean versunken. In den Flutsagen vieler Völker finden wir dies
Geschehen wieder. Die Atlantier konnten mit ihrer gro./3en Willenskraft und Wort-Gewalt wilde Tiere zähmen und das Pflanzenwachstum beeinflussen. Dichte Nebel hüllten das von Wassern durchströmte Land ein. Die
Burgen der Priesterkönige ragten golden strahlend in das Licht der Götter. Als die Menschen Ihre Macht missbrauchten und Unheil anrichteten, lie,/3en die Götter die Insel in gewaltigen Fluten versinken.
Aus einem Schülerheft mit der Aufschrift: Geschichte, 5. Klasse
Dass hier eine "indirekte" Jahresangabe im Heft steht, mag auf den ersten Blick nicht auffallen. Aber es dürfte für einen aufgeweckten Waldorfschüler nicht schwierig
sein, die konkrete Jahreszahl zu Atlantis auszurechnen. In den Geschichtsepochenheften, die mir vorliegen, kann man dann weiter von Manu lesen, dem Herrscher von Atlantis, den Gott Brahma vor der großen Sintflut
rettete und der nach Indien kam.
"Manu und die heiligen Rishis ordneten das Leben der Menschen nach den Weisheitsgesetzen des Sonnenheiligtums. Vier Kasten benannten sie. Schicksal war es für jeden, welcher
der vier Kasten er angehörte. Fast unüberschreitbar waren die Grenzen zwischen ihnen. Die Götter hatten die Gedanken zu den Kasten gegeben..." Überschrift dieses Hefteintrages: Die Lebensordnung der
Arier". Sehr eindrucksvoll wurden auf der nächsten Seite im Schülerheft die "Opferfeuer der Arier" mit bunten Wachsmalstiften aufgemalt und mit folgenden Worten beschrieben: "Vor Sonnenaufgang,
zur Zeit der Morgenröte, opferten die Arier dem Gott: AGNI. Zumeist entzündeten sie drei Opferfeuer gleichzeitig. Sie vollzogen ihre Opferhandlungen unter freiem Himmel, auf einer Wiese, nahe bei einem See oder
fließenden Gewässer."
Die Schüler erfahren, wie der Bodhisattva-Buddha seine Seele läuterte und seinen Körper durch Übungen (Meditation) und Fasten versuchte zu überwinden. Ein Klassenlehrer in unserer
Schule ließ dazu die Schüler mehrmals vorzugsweise im Lotussitz auf dem Tisch Platz nehmen und meditieren. "Stellt euch eine Rose vor", sagte er zu den Schülern: Wer es schaffte, fünf Minuten zu
meditieren, bekam einen Sonderpunkt. Auch in anderen Waldorfschulen soll dies üblich sein, erzählte mir eine ehemalige Waldorfschülerin. Dort sollten sich die Schüler ein Kreuz und eine Rose vorstellen. In
esoterischen Kreisen ist dies als Rosenkreuzer-Meditation bekannt.
Die 5. Klasse hört dann auch von Zarathustra, dem Sendboten Ahura Mazdaos, der Gras in Korn verwandelte und das Volk durch heilige Gottesdienste zu einem ehrfürchtigen Leben
führte. Von dem allerdings historisch nicht nachgewiesen werden kann, ob es ihn wirklich gegeben hat.
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Zarathustra
Zehn Jahre lang bereitete sich Zarathustra darauf vor, die Stimme des Ahura Mazdao zu ertragen. Sieben davon verbrachte er in der Einsamkeit der Berge. Dann konnte ihn Vohu
Mana, der Geist der guten Gedanken zum gro~en Sonnengott führen. Was er dort vernahm, verkündete er als die Lehre des Zend Avesta den Iranern. Er sprach ihnen vom Kampf zwischen Ahura Mazdao und dem finsteren
Widersacher Angra Mainyu, der
stets das gute Werk verderben wollte. So verdanken wir den Persern den Ackerbau und unsere gezähmten Haustiere.
Aus dem Zend Avesta:
Zarathustra fragte: "Heiliger Schöpfer der sichtbaren Welt! Wo auf Erden dünkt es dich am besten?" Ahura Mazdao antwortete: "Wahrlich o Zarathustra, wo Getreide
aufkeimt, Gras ergrünt und e,/3bare Früchte reifen, indem Wasser in die Wüste geleitet. Denn nicht ist die Erde glücklich, die lange ungep~ügt liegt, ebensowenig wie die schöngewachsene Frau, die lange ohne Kind
ist. "
Aus einem Schülerheft mit der Aufschrift: Geschichte, 5. Klasse
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Zarathustra, der in den Geschichtsbüchern öffentlicher Schulen nicht erwähnt wird, sei der Erretter (man beachte) der "Arya" gewesen, die unter den wilden Horden der
"Turanier" zu leiden hatten, so lese ich in einem Waldorfschulheft. Und weiter heißt es dort: "Die Geschichte der Eltern des Zarathustra ist ganz ähnlich der von Joseph und Maria. Auch die Geburt des
Zarathustra ist ähnlich beschrieben. Die Deven aus der Höllentiefe schrien bei der Geburt des Zarathustra und verkrochen sich in die entlegensten Winkel." Erstaunt frage ich mich, was soll den Kindern hier
vermittelt werden? (S. 129 – 131)
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Ohne Tortur , kein Abitur
Es lässt sich deshalb nicht einfach vom Tisch wischen, dass sich die von Waldorf vorgetragene Erfolgsquote von 85 Prozent beim Ablegen des staatlichen Abiturs als reine
Augenwischerei herausstellt. Die Hälfte aller Schüler, so das Kultusministerium Nordrhein-Westfalen, werde erst gar nicht zur Prüfung zugelassen. In einem zweiseitigen Blatt von Abiturienten einer Waldorfschule
unter dem Titel "Abiturvorbereitung - eine Chronik des Versagens" heißt es dazu: "Wir, d.h. die Schüler dieses Jahrgangs, haben in den letzten Jahren einiges durchgestanden. Denn neben den
freistaatlichen Repressalien gegen Abiturienten an nicht anerkannten Privatschulen (...) haben wir ein unglaubliches Maß an anthroposophischer, also schuleigener Dummheit, Arroganz und Versagen erleben müssen. (...)
Es sollte schon zu denken geben, wenn in einer Klasse wie der unsrigen, in der unter optimalen Umständen 80-90% der Schüler die Allgemeine Hochschulreife ohne Probleme bestanden hätten, letztlich weniger als 20% zum
Zuge gekommen sind. (...) Um es nochmal zu betonen, und um zukünftige, potentielle Abiturienten zu warnen, es war zu etwa 70% eigene Anstrengung, die uns das Abitur bestehen ließ. Die Lehrer hatten hier nur eine
marginale Rolle. Denn was wir speziell in Englisch, Kunst, Geschichte, Französisch selbst taten, überwog bei weitem was schulisch geboten wurde. Also: Ohne Tortur, kein Abitur! Und man darf sich auf keinen Fall auf
den in der Schule gebotenen Stoff verlassen, sondern muss aufpassen, dass man das Nötige tut (z.B. keine Landeskunde in Englisch, sondern mehr Sprache!!!) und dass man sich genau über den Abfragungsbereich erkundigt
(Wichtig in den Kolloquiumsersatzfächern!) Und dann heißt es lernen, lernen, lernen, auf eigene Faust." (S. 249)
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Reinkarnation und Karma
Dass Steiner-Anhänger an Reinkarnation und Karma glauben, war mir bereits aus der Waldorfschule bekannt. Mit bedeutungsvollem Lächeln wurde uns auf einem Elternabend erklärt, dass
wir eine Schicksalsgemeinschaft seien, uns in einem vorherigen Leben schon einmal begegnet wären und ein gemeinsames Karma hätten. Das fand ich damals noch recht amüsant. Verschwiegen wurde, dass die Zeitabstände
zwischen zwei Verkörperungen rund 1300 Jahre betragen und wir abwechselnd einmal als Mann und einmal als Frau auf die Welt kommen sollen. Das erfuhr ich erst Jahre später, als ich Steiner las. Einige scheinbar
belanglose karmische Zusammenhänge wurden uns ebenfalls erklärt. So seien spontane Sympathie oder Antipathie, die man gegen einen Menschen hege, durch angenehme bzw. unangenehme Begegnungen aus einem vorherigen
Leben zu erklären. Den Eltern leuchtete das ein und sie nickten zustimmend. Unzufriedenheit im jetzigen Leben, so wurde uns offenbart, sei auf eine schlimme Tat in einer früheren Inkarnation zurückzuführen. Das
erschien mir damals schon recht merkwürdig. Trotzdem fühlte ich mich unbehaglich, als ich das hörte - wer ist schon ständig zufrieden. Heute frage ich mich, was den Eltern hier vermittelt werden sollte, welche
Schuldgefühle mögen bei einigen durch diese anthroposophische Weisheit entstanden sein. Die ganze Bandbreite der anthroposophischen Karmalehre - die vielen Ecken, Nischen und Einbahnstraßen, die immer nur auf einen
Punkt zurückführen, dass alles, was dem Menschen im Leben widerfährt (Armut, Krankheit, Unglück und anderes mehr), die gerechte Strafe aus einem seiner vorherigen Leben sein soll, man quasi immer selbst Schuld hat
wurde uns Eltern leider nicht verraten. Ich bin überzeugt, es hätte uns damals schon die Augen geöffnet, um welches abstruse Weltbild es sich hier handelt. Das wurde mir erst nach unserer Waldorfzeit richtig klar,
als ich mich eingehender mit Anthroposophie beschäftigte und ausführlich Steiners Schriften las.
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Die Vier-Gliederung der Leiber
Nach anthroposophischem Verständnis kommt der Mensch nach und nach auf der Erde an. Es gibt demnach vier Geburten:
Mit der natürlichen Geburt kommt zuerst der "physische Leib" auf die Welt (und stellt somit nur eine vorläufige Hülle dar für das, was später hineingeboren wird), er
ist dem Mineralreich gleichzusetzen.
Nach sieben Jahren (mit dem Zahnwechsel) wird der "Äther- oder Lebensleib" geboren. Sache des Ätherleibes ist das Fühlen und bildhafte Vorstellen. Diesen Leib hat der
Mensch mit den Pflanzen undTieren gemeinsam.
Mit vierzehn (in der Pubertät) ist die Geburt des "Astral- oder Empfindungsleibes". Er ist der Träger von Schmerz und Lust, von Trieb, Begierden und Leidenschaften
und dem Tierreich gleichzusetzen. Erst mit 21 Jahren wird der "Ich-Leib" geboren. Dieser Ich-Leib ist der Träger der höheren Menschenseele. Durch ihn ist der Mensch die Krone der Erdenschöpfung - sagt
Steiner.
Der "normale Sinnenmensch" kann allerdings nur etwas von der ersten Geburt merken, die anderen Geburten können nur von Geistersehern und Anthroposophen wahrgenommen
werden.
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Besonders betroffen machte mich dabei eine Stelle aus einem Steiner-Vortrag, die mich an den oben geschilderten Vorfall während der Bauzeit unserer Schule erinnerte. Steiner
versucht karmische Zusammenhänge zu erklären und bringt das Beispiel von dem kleinen, sieben Jahre alten Theodor, der beim Bau von Dornach zu Tode kam. "Der Möbelwagen hatte es [das Kind] sogleich erdrückt, es
war am Erstickungstod gestorben." Steiner erklärt: "Bei dem kleinen Theodor war es so, dass das Karma abgelaufen war, so dass man sagen kann: Er hat den Wagen selbst hinbestellt." Das war also kein
Zufall oder die Unachtsamkeit des Fahrers, der das Kind möglicherweise übersehen hatte, sondern karmische Bestimmung, was der Kleine auch noch selbst veranlasst haben soll - karmischanthroposophisch gesehen. Der Tod
des Jungen sei "äußerlich außerordentlich tragisch", meint Steiner. Und dann folgt eine verblüffende Begründung, warum das so tragisch sei: , .. weil wir es da zu tun haben mit dem Ätherleib eines Kindes,
der noch Jahrzehnte hindurch das Leben dieses Kindes hätte versorgen können". Und wer den okkulten Seherblick hat (Steiner hatte ihn ja), weiß, dass der "unverbrauchte Ätherleib" des kleinen Theodors
mit all den unverbrauchten Kräften in die geistige Welt, die ätherische Welt übergangen ist. Steiner fährt fort: "Dieser ganze Ätherleib ist mit seinen Kräften vergrößert in der Aura des Dornacher Baues. (...)
Zu schützenden Mächten des Baues ist dieser Ätherleib geworden."
Nun könnte man das ja als trostreiche Worte Steiners für die Hinterbliebenen verstehen. Mich hat es allerdings erschreckt. Steiner hielt diesen Vortrag 1915 in Linz und es ist zu
hoffen, dass heute seine Anhänger diesen okkulten Unsinn, anders als der anthroposophisch orientierte Autor Otto J. Hartmann, nicht mehr brühwarm übernehmen. Dieser schreibt in seinem Buch "Der Mensch als
Selbstgestalter seines Schicksals", das 1984 in elfter Auflage herausgegeben wurde und heute noch im Buchhandel erhältlich ist: "Nichts geht im Weltall verloren, kein durchlittenes Leiden, kein
vollbrachtes Sterben bleibt fruchtlos, alle sind sie unvergängliche Geistkeime einer künftigen geistigen und moralischen Erneuerung. Ob bewusst oder unbewusst durchlitten: Jeder vorzeitige gewaltsame Tod besonders
eines jungen Menschen ist ein Opfer, und die reale Geistessubstanz dieses Opfers wird, wie Rudolf Steiner zeigte, in den Händen der göttlichen Hierarchien zur Kraft mittels derer die kosmischen Widersachermächte und
Folgen materialistischen Zeitalters in den Menschenseelen überwunden werden." (S. 104 – 107)
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Lehrer – Halbgott und Priesterfigur zugleich
Adolf Gallwitz: "Ein Lehrer führt über viele Jahre hinweg die Kinder, gewinnt eine Monopol- und Vormachtstellung gegenüber allen anderen Erziehungsberechtigten und ist auf
diese Weise in der Lage, intensiv Einfluss auf die Entwicklung der Kinder zu nehmen. Der Schüler wird langsam, aber subtil an diese anthroposophische Geistesrichtung herangeführt. Und da diese Anthroposophie eine
beträchtliche Sensibilität für gesellschaftliche Bedürfnisse und Defizite hat - das geht ja bis hinein in den Bereich der homöopathischen Medizin, kein Leistungsdruck, alles Dinge, die in der Gesellschaft als
wichtig angesehen werden -, ist es leicht, sich als Erkenntnisweg zu präsentieren. Sie soll sich dabei nicht mit den Kirchen decken, was ja eine durchaus vernünftige Alternative wäre, sondern man wählt den anderen
Weg, indem man den Kindern, aber eben auch den Erwachsenen, ständig irgendwelche eindeutigen Lehren und Antworten bzw. ganz klar umrissene Denk- und Verhaltensmuster dieses Systems anbietet. Dadurch entsteht im
Laufe der Zeit eine starke extreme Abgrenzung von der Umwelt, weil der Eindruck erweckt wird, dass man nur hier Sicherheit, Anerkennung, Antworten und Geborgenheit finden kann. Alle Inhalte, die in der Waldorfschule gelehrt werden, finden sich in der
anthroposophischen Menschenkunde. Der Zwiespalt, der für junge Menschen aufgebaut wird, ist leicht nachvollziehbar: Hier die Scheinwelt, da die restliche
Welt. Die Eltern sollten wirklich genau prüfen, ob ihr Kind geistig und von seiner Persönlichkeit her in der Lage ist, dass es einer solchen Waldorf-Erziehung ausgesetzt werden kann. Vor allem müssen sich die Eltern
darüber Gedanken machen, ob sie selbst bereit sind, ihr Kind derart aufzugeben. Ich warne davor, die Folgen der jahrelangen Einflussnahme auf die Kinder zu unterschätzen.
Es ist falsch, hier nur einen Hort der Freiheit und des Lebens ohne Druck zu sehen. Tatsächlich steckt da eine Menge Indoktrination dahinter."
Große Wahrheiten machen abhängig, schwächen das Selbstwertgefühl, haben eigentlich noch nie dazu
geführt, dass am Ende profilierte Menschen mit Verantwortung für sich und andere, die auch eine gesunde Frustrationstoleranz mit sich bringen, entstehen. Das Gerede von der großen Freiheit bei
Waldorf ist letztlich in vielen Fällen eine Mogelpackung. Gallwitz steht mit seinem Urteil da keineswegs alleine. Eine Vielzahl von Psychologen und Pädagogen, Soziologen und eben auch Waldorfkennern
bestätigt diese Darstellungen. Waldorf-Experte Paul Oswald fasst die Situation in seinem Aufsatz "Die Waldorfschule und ihr anthroposophischer Hintergrund" mit den Worten zusammen: "Die pädagogische
Konzeption Steiners ist gleichsam ein geschlossenes System. Die Kinder sind zutiefst nicht erst einmal die je einmaligen personalen Wesen, sondern sie sind gleichsam Typen einer bestimmten Phasenhaltung,
eines bestimmten Temperaments, einer bestimmten Reinkarnationsstufe usw. apriorisch fixiert durch die Rasterung des Systems."
Solche Sicht der Kinder ist systemimmanent. Denn nach anthroposophischem Menschenbild hat der
Lehrer ja nicht einen einzigartigen, neuen Menschen vor sich, sondern ein Menschenwesen, das kraft Seelenwanderung schon viele Erdenleben durchlaufen und weitere Inkarnationsstufen vor sich hat. Wie
sich dies konkret auf den Unterricht auswirkt, beschreibt Steiner selbst: "Bei einem Kind, das fest auftritt,
kann man sehen, dass es fest im Leben drinsteckte in seiner vorhergehenden Inkarnation, dass es sich für alles interessierte im vorangegangenen Erdenleben. Man wird daher bei einem solchen Kind darauf sehen
müssen, dass man die Dinge aus dem Kinde herausholt, denn es bringt ja viel mit aus jenem anderen Leben. Anders sind die Kinder, die trippeln, mit der Ferse kaum auftreten, denn die haben in flüchtiger
Weise das vorige Erdenleben verbracht. Man wird bei ihnen nicht viel herausholen können." Nanu? Ist das die große Freiheit, die auf die in jedem Kind angelegten Fähigkeiten und Eigenschaften so
uneigennützig eingeht?
Der Erziehungswissenschaftler Franz Joseph Wehnes von der Universität Essen ging vor der
Vollversammlung des Diözesanrates der Katholiken in Freiburg vor einigen Jahren noch einen Schritt weiter: "Erziehungswissenschaftliche Kategorien sind hier [bei Waldorf, d. Verf.] nicht maßgeblich,
sondern allein kosmisch-übersinnliche Gesetze bestimmen die Behandlungsweise des Schülers. Insofern versteht sich der Waldorflehrer als ein entscheidender Mitgestalter am Karma des einzelnen Menschen
und am Geschehen im Weltenkosmos. Steiner hat betont: `Dass man in aller Erziehung eine Art Fortsetzung der vorgeburtlichen, übersinnlichen Tätigkeit bewirkt. Dies gibt allem Erziehen die nötige
Weihe, und ohne diese Weihe kann man überhaupt nicht erziehen. Wir wollen uns bewusst werden, dass wir durch Erziehung nur das fortzusetzen haben, was ohne unser Zutun besorgt worden ist von höheren
Wesen.' Von hierher ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Lehrer als `Priester mit missionarischem Auftrag'. Daher sagt Steiner auch: `Der Erzieherberuf muss sich umwandeln lassen zum ganz wahrhaften
Priesterberuf, der dasteht, wenn die göttliche Gnade die Menschen herunterschickt in das irdische Leben.'" (S. 171 – 173)
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Indoktrination
. . . fällt es schwer anzunehmen, dass eine so deutlich anthroposophisch ausgerichtete Schulform, die ja
ganz bewusst eine Alternative zum staatlichen Schulsystem sein will, dies nicht auch dadurch sicherzustellen versucht, dass sie das Lehrpersonal entsprechend ausbildet, schult und dann anleitet, prüft
und führt. Das ist schließlich nicht nur das Recht jeder privaten Schule, es entspricht auch den Erwartungen der Eltern, die dieses Institut bewusst als Alternative zur "normalen Schule" gewählt haben.
Wer sein Kind auf eine katholische Privatschule schickt, wird mit Recht davon ausgehen, dass dort katholische Sozial-, Gesellschafts- und Moralvorstellungen vermittelt oder diskutiert werden. Insofern ist
der Versuch der Waldorfschulen, den eigenen anthroposophischen Hintergrund schmälern oder gar ganz abstreiten zu wollen, sogar so etwas wie ein offenes Täuschungsmanöver den Eltern gegenüber, die diese
Schule für ihre Kinder gewählt haben. Abgesehen davon, dass dies - wie zu zeigen sein wird - auch nicht der Realität entspricht. (S. 10)
Aber wieviele der Eltern, die ihre Kinder auf eine Waldorfschule schicken, ahnen nur im Entferntesten,
dass für deren Begründer weniger pädagogische Aspekte im Vordergrund standen als seine esoterischen Zukunftsvisionen? "Hier liegt das eigentlich Hinterhältige der Waldorf-Werbeparolen. Es wird so getan,
als gäbe es nicht die Mystik der Steinerschen Anthroposophie als ideologische Grundlage der Waldorfpädagogik. Es wird so getan, als stünde hier Individualität und Selbstentfaltung im Mittelpunkt
und nicht die totale Vereinnahmung des Einzelnen in einer totalitären hochgradig mystischen Ideologie", so Professor Klaus-Dieter Mende von der Hochschule der Künste in Berlin.
Die Waldorfpädagogik also nur Mittel zum anthroposophischen Zweck? Heute bin ich überzeugt, dass
der sogenannte "übergreifende Unterricht", der in Waldorfschulen angepriesen wird, allein dazu dient, Steiners okkulte Geschichten, die aus den trüben Quellen der Akasha-Chronik stammen, in den
Unterricht einfließen zu lassen. Wie sagte doch Rudolf Steiner: "Sie müssen die Anthroposophie umsetzen
auf die Kinder." Dass seine Adepten dieser Weisung gehorsam folgen, dafür finden sich in verschiedenen Schulheften (Rechnen, Geschichte, Deutsch, Chemie usw.) nicht nur unserer Kinder deutliche Hinweise.
(S. 211)
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Eurythmie
Als eine "neue Art der Bewegungskunst" wird die Eurythmie in der Öffentlichkeit vorgestellt und in
Waldorfschulen als Universal-Lehr- und Heilmittel eingesetzt. "Schlechte Augen, Rückenschmerzen, sogar Verstopfungen, aber auch Aggressionen, Triebhaftes im weitesten Sinne können mit ihrer Hilfe
kuriert werden", berichtet die ehemalige Waldorfschülerin Charlotte Rudolph. Bei Lese- und Schreibschwäche und bei schwacher Begabung im Rechnen wird Eurythmie empfohlen und auch
angewandt (im Förderunterricht). "Es wurden gute Erfolge bei den Kindern in der Waldorfschule erzielt", wird versichert. Begabte und intelligente Kinder müssen trotzdem teilnehmen oder gerade darum. Bei
Steiner wird Intellekt mit Egoismus gleichgesetzt und der muss in Waldorfschulen bekanntlich ja bekämpft werden. . . .
Es gibt Laut-, Ton- und Heileurythmie, sogar Licht-Eurythmie (esoterische Beleuchtungskunst).
"Lauteurythmie ist sichtbare Sprache." Man kann das durch übersinnliches Schauen studieren. Doch wer kann das schon? - Nur Okkultisten! Waldorfschülern wird das deshalb beigebracht. Sie lernen nicht nur
das normale Alphabet, sondern auch das eurythmische (kosmische) ABC. Um besser schreiben zu lernen, sagt man den Schülern, die kritisch nachfragen, was das Ganze soll.
Steiner vergleicht die Eurythmie auch mit der "Sprache der Erzengel". Erstaunt hört man, wen er alles
dazu zählt: Odin ist es, der Schrift und Sprache den Germanen gab, auch Wotan, Hönir und Lödur (bekannt aus der nordischen Schöpfungsgeschichte, 4. Klasse) reihen sich in diesen Erzengelreigen mit
ein. Nicht nur Reigen, sondern auch Planetentänze und Energietänze (Verbindung zu Kosmos und Urlicht) sind im Eurythmieprogramm der Waldorfschulen für den Schülerunterricht enthalten. Und sogar
eurythmische "Kampfschritte" werden eingeübt! . . .
"Die staatlichen Schulaufsichtsbehörden, die der Waldorfschule in vielen Bereichen Freiheiten eingeräumt
haben, scheinen gegenüber dem Fach Eurythmie skeptisch zu sein", berichtet Paul-Albert Wagemann, ehemaliger Waldorflehrer. Während die Gehälter aller übrigen Waldorflehrer aus den staatlichen
Zuschüssen bestritten werden, sei für die Eurythmisten an jeder Schule ein Topf eingerichtet, der sich durch einen Verzicht der anderen Kollegen auf einen Teil ihres Gehaltes fülle.
Finanzielle Unterstützung durch Sponsoren erhoffte sich darum Steiner, wenn er die Eurythmie in
Heileurythmie umgestaltete. In anthroposophischen Sanatorien wird mit dieser "durchgeistigten Gymnastik" therapiert. Heileurythmie ist auch fester Bestandteil in Waldorfschulen. Noch heute verordnet
der Schularzt, wie seinerzeit Steiner 1924 festgelegt hat, für jeden Schüler "heileurythmische Übungen eine bestimmte Zeit hindurch, und diese sollten täglich sein. Dafür müssen die Kinder aus der Klasse
herausgeholt werden. Wenn das Kind eine Heileurythmie bekommt, so ist es eben krank", bestimmt Steiner. "Da es eine Therapie macht, muss man das Kind aus jeder Stunde herausnehmen können, außer
aus dem konfessionellen Religionsunterricht. Versäumt es im Unterricht etwas, so ist es eben sein Karma." (S. 202)
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Das Waldorf-Ambiente – 1. Teil
Als unser Sohn dann endlich in den Kindergarten ging (in der Zwischenzeit hatten wir auch eine kleine
Tochter bekommen), änderte sich unser Leben gravierend. Durch die Vorträge und Veranstaltungen waren wir ausreichend unterrichtet, was von zukünftigen Waldorf-Eltern erwartet wird. Und bald drehte
sich alles nur noch um Waldorf! Als die Kindergärtnerin uns besuchte, war das Haus bereits "Waldorf-gerecht" hergerichtet. Kein Plastikspielzeug mehr in den Kinderzimmern; gutes und teures
Holzspielzeug zierte die Regale. Wurzeln, Kiefernzapfen und anderes Naturmaterial lagen in Holzschalen, farblich harmonisch abgestimmte Tücher (in rosa) hingen über dem Kinderbettchen.
Micky-Maus-T-Shirts, die Oma und Opa stolz geschenkt hatten, lagen unten in der Kommode; die Lego-Bausteine wurden zur Seite geschoben. Die einst so begehrten Fisher-Price-Bagger kamen in den Keller - vorübergehend.
Natürlich begann jetzt auch in meiner Küche die Vollkornzeit: Dinkelauflauf, Roggenschrot und
Hafersuppe; Kuchen aus Weizenvollkornmehl, braune Nudeln und dergleichen mehr kamen auf den Tisch. Auch bei meiner Kleidung trat eine Veränderung ein. Ging ich früher eher sportlich und gerne sehr
modern angezogen, griff ich nun zu den schlichten (haus)fraulichen Modellen. Benutzte ich früher gerne ein kräftigeres Make-up, reduzierte ich es nun auf einen Hauch von Rosa auf den Lippen. Nagellack
vermied ich. Zunehmend passte ich auch im Aussehen in das WaldorfAmbiente.
Schlimm daran war, dass man selbst anfing, andere Dinge total abzulehnen. So mieden wir, um nur einige
Beispiele zu nennen, fortan die üblichen Spielzeuggeschäfte. Geburtstags-, Weihnachts-, und Ostergeschenke für unsere Kinder wurden auf dem bei Waldorf jährlich stattfindenden Weihnachts- oder
Osterbazar besorgt oder in einem anthroposophischen "Buchladen", der neben Büchern auch "kindgemäßes" Spielzeug führte und vermutlich in der Nähe einer jeden Waldorfschule zu finden ist. Auf
Empfehlung des Kindergartens und der Schule kauften wir ausschließlich Kinderbücher aus anthroposophischen Verlagen. Wir legten fortan Wert auf "besondere Qualität", vom Spielzeug über die
Ernährung (Vollkornkost und wenig Süßes, Obst und Genüse aus dem Bio-Laden) bis zur Kleidung (Naturmaterialen wie Wolle, Baumwolle oder Leinen). Das führte eines Tages dann sogar bis zur
Ausvahl bzw. Ablehnung der Spielkameraden aus der Nachbarschaft, die fernsahen und Kassetten anhörten, ungehindert Süßigkeiten knabbern durften und kein "alternatives" Spielzeug hatten, denn im
Kindergarten wurden wir darauf hingewiesen, wie überaus negativ Waldorfkinder durch diesen "falschen Umgang" beeinflusst werden könnten.
Als wir ein Haus mit Garten in der Nähe der Waldorfschule, zu der auch ein Kindergarten gehörte,
fanden, gaben wir unsere große und schöne Stadtwohnung auf. Ich wollte meinen Kindem und mir die täglichen Autofahrten zum Kindergarten und später zur Schule ersparen..Viele Eltern dachten ebenso und
auf diese Weise sind rund um die Schule regelrechte Waldorf-Siedlungen entstanden. Das ist daher möglich, weil neue Waldorfschulen ihren Standort bevorzugt in geplanten Neubaugebieten haben. Andere
Eltern wiederum, z.B. aus Randgemeinden, scheuten die weiten Anfahrtswege, die mitunter länger als eine Autostunde betrugen, nicht. Und so bildeten sich Fahrgemeinschaften, wie es das außerhalb
Waldorfs natürlich auch gibt. Besonders daran war nur, dass diese Waldorfmütter dann häufig den ganzen Vormittag auf dem Waldorfgelände blieben, denn dort gab es unerschöpfliche Betätigungsfelder. ,
"Wir brauchen viele, viele fleißige Hände", hörte man ständig. Bastelarbeiten für Weihnachts- und
Osterbazare u.ä. wurden das ganze Jahr durchgeführt. Im Schul- und Kindergartenbereich wurden Eltern für Garten- un1 Malerarbeiten und vieles mehr gesucht. Auch in der Schulküche waren stets
unentgeltliche Hilfsdienste erwünscht. (S. 37)
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Das Waldorf-Ambiente – 2. Teil
Aber so weit waren mein Mann und ich noch nicht. Wir sind zwar weder Herdentier noch
Herdenmensch; dennoch waren wir anfangs begeistert von der Waldorf-Idee und nahmen aktiv an vielen Veranstaltungen wie Vorträgen, Festlichkeiten, Bastelnachmittagen und -abenden teil, nicht zu vergessen
die nicht enden wollenden Vorbereitungen. Dazu kamen noch die häufigen Elternabende. Wir waren voll eingebunden in das große Waldorfnetz. Der Bekanntenkreis bestand eines Tages hauptsächlich aus
Waldorfianern. Man blieb also immer unter sich und bekam dadurch so eine Art "Vorgartenhorizont".
Selbstverständlich versuchten wir auch nach den "Richtlinien und Vorgaben" der Waldorfpädagogik zu leben. Schließlich wurden wir ja ständig darauf hingewiesen, wie schädlich sich falsche Erziehung und
Lebensweise auf die physische und psychische Gesundheit des Kindes auswirken würde.
Lässt man Kinder zu früh etwas malen, "dann verliert sich der Sinn für das Lebendige, dann kommt der
Sinn für das Tote herauf`. Wird das Kind zu früh intellektuell gefordert, können schlimme Krankheiten ab dem 30. Lebensjahr entstehen - wurde uns erzählt. Und wer möchte das schon verantworten? Auch
Weißmehlprodukte und Zuckerkonsum können verheerende Folgen haben - wurde uns gesagt. "Zuckersüchtige Kinder zeichnen sich durch Umtriebigkeit, Mangel an Ausdauer und Konzentration aus.
Da wir seit der Einführung des Zuckers in der nach-napoleonischen Ära alle an zunehmender Überzuckerung leiden, haben sich im Zuge dieser Entwicklung auch entsprechende
Zivilisationskrankheiten ausgebreitet. Es sind dies insbesondere kariöser Zahnzerfall [das war mir bekannt, d. Verf.] und die Zunahme der Zuckerkrankheit [das war mir neu, d. Verf.]." Und ich erfahre:
"Man kann auch bemerken, dass anhaltende seelische oder intellektuelle Überforderung [man höre! d. Verf.] in Kindheit und Jugend sich in der Vorgeschichte älterer Diabetiker häufig finden." Diese Weisheit
basiert sicherlich auf der Menschenerkenntnis Steiners, ist aber heute noch nachzulesen in einem anthroposophischen medizinisch-pädagogischen Ratgeber von 1998.
Einfach war es nicht, den Vorgaben und Richtlinien der WaldorfPädagogik zu folgen. Es soll zwar kein
Muss sein, wird freundlich hingewiesen; doch genau genommen bedeuten diese Richtlinien schon, dass man sich danach zu richten hat. Und das hieß: kein Fernsehen, keine Musik-Kassetten, schon gar keine
Video-Spiele oder Spielzeugpistolen Holzschwerter und Lanzen sind erlaubt -, keine T-Shirts mit wilden Aufdrucken, kein Plastikspielzeug, keine Cola, (nicht einmal Kakao), keine Pommes, keine ungesunden
Süßigkeiten, keine Weißmehlprodukte, kein Fußball. Ballett wird ebenfalls nicht gern gesehen, dafür gibts dann Eurythmie. Partys und Discos für jugendliche Waldorfianer wurden als ahrimanische Einrichtungen
argwöhnisch beäugt.
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Ahriman - ahrimanisch Ahriman: ist der Geist der Materie ahrimanisch: ist Materialismus jeder Färbung
ist demnach alles Denken, das das Lebendige nach den Gesetzen des Physischen beurteilt.
Adolf Baumann, ABC der Anthroposophie
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Als unser damals vierzehnjähriger Sohn diese Richtlinien missachtete und auf dem Pausenhof seinem
Freund den neuen Walkman (ein Geburtstagsgeschenk vom Onkel) verstohlen zeigte, wurde ihm dieser von der Pausenaufsicht abgenommen. Am nächsten Tag erschien die Klassenlehrerin in Begleitung einer
anderen Lehrkraft bei uns im Haus und hielt einen langen Vortrag über die Gefährlichkeit dieses technischen Geräts. Als Ausgleich bzw. als Strafe für dieses Vergehen sollte der Junge, so die Lehrerin,
ein Musikinstrument erlernen. Zwei Schulflöten, eine Leier und einen Psalter besaßen wir bereits. Nein, dafür würden sich besser Klavier, Geige oder Cello eignen, wurden wir belehrt. Schließlich einigten wir
uns auf Konzertgitarre. Mit welcher Begeisterung mein Sohn in den Gitarrenunterricht ging und zuhause übte, brauche ich sicher nicht erwähnen.
Wir wurden allen Ernstes aufgefordert, Onkeln, Tanten und anderen Verwandten freundlich, aber
bestimmt zu sagen, sie sollten nur gutes Holzspielzeug schenken. Mein Bruder zeigte mir einen Vogel und schenkte - ein ferngesteuertes Auto, was von meinen Kindern übrigens begeistert angenommen wurde.
Nicht selten können dann diese "wohlgemeinten" Anweisungen der Waldorfschule oder des Kindergartens zu einer Entfremdung sogar im eigenen Familienverband führen, wenn die Eltern bemüht
sind, diese Richtlinien einzuhalten und beginnen, die Besuche bei Großeltern und anderen Verwandten drastisch einzuschränken, um ihre Kinder vor den "schädlichen Einflüssen" wie Fernsehen, Kassetten,
Süßigkeiten, nicht waldorfgemäßem Essen und Spielzeug usw. zu schützen.
Neidvoll beobachtete ich die Nachbarin ( sie hat auch drei Kinder), wie sie in kürzester Zeit die
Urlaubskoffer gepackt hatte. Ich brauchte dafür Stunden, bis ich völlig entnervt erst fertig wurde, wenn die Kinder endlich schliefen. Der Geheimtipp meiner Nachbarin: ein nettes Kindervideo.
Als ich langsam merkte, dass die krampfhaften Versuche, auf der "richtigen Linie" (Waldorf-Linie) zu
bleiben, nur zu Schwierigkeiten in unserer Familie führten, lockerte ich diesen zwanghaften Lebensstil auf und wir fanden Kompromisse. Zuhause und außerhalb des Waldorfbereiches lebten wir nach unseren
Familienrichtlinien. Und die unterschieden sich inzwischen doch wieder erheblich von den Vorschriften der Schule. Wir lebten Waldorfpädagogik, wie wir uns das vorgestellt hatten. Auf der einen Seite die
alternative Schule: ohne Noten, ohne Schulstress; auf der anderen Seite alternative Erziehung: ein bisschen Vollkorn, ein wenig Fernsehen und Kassetten, ab und zu Cola, Limo und Pommes. Die flotten
T-Shirts und Sweat-Shirts wurden nur im Privatbereich getragen, für die Schule gabs "Eintöner". Es ist
unglaublich, aber auch ich vertauschte allen Ernstes mein modisches Outfit, wenn ich zuvor in der Stadt war, mit Jeans und Schlabberpulli, bevor ich unseren Kleinen vom Kindergarten abholte.
Der Versuch, eine reale Lebensweise neben der Waldorfschule aufzubauen, führte jedoch in eine
Sackgasse, die gepflastert war mit Unehrlichkeit und ständig schlechtem Gewissen (vor allem für die Kinder). Aber wir waren kein Einzelfall! Heute weiß ich, dass es in vielen nicht-anthroposophischen
Familien ähnlich ist. War das die Freiheit im Denken und Handeln, die wir für unsere Kinder in einer freien Schule wollten? . . . .
Wie akut das Thema schlechtes Gewissen und sogar Angst bei Waldorfeltern sein kann, zeigen
Leserbriefe in einer anthroposophischen Monatszeitschrift. Von Angst, sich zu äußern, Angst, aus der
Reihe zu fallen, Angst vor Ablehnung, ergänzt durch "Harmoniezwang" und "Sprachlosigkeit" ist da die
Rede. Manch eine Mutter nimmt das vielleicht nicht so ernst und erklärt das so: "Eine echte Waldorfmutter hat immer ein schlechtes Gewissen, wenn sie fernsehen schaut. Und erst recht, wenn sie
raucht oder gar Schnaps trinkt - das gibt nämlich Löcher in der Aura!"
Ein Waldorfvater schreibt jedoch dazu: "Mir erscheint es in Gesprächen und Diskussionen oft
unmoralisch, Kritik anzubringen oder nach Hintergründen zu fragen. Und wenn ich es tue, dann kann ich oft mit der sehr schwammigen, allgemein gehaltenen Antwort nichts anfangen. Besonders fällt das bei
kritischen Punkten auf, die zur Diskussion stehen. Dann kommen mir meine Fragen, die ich gerne stellen würde, direkt anstößig vor, so, als würde ich ungeschriebene Regeln verletzen. Und wer will das schon?
Also schweige ich lieber. Ganz schwierig wird es für mich, wenn ein Lehrer mit Steiner antwortet. Da kann ich einfach nicht mithalten." (S. 40 – 44)
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