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Kritische  Stimmen zur  Waldorfbewegung und  zu  Rudolf STEINERs Schriften
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"Schwarzbuch Anthroposophie” von Guido und Michael Grandt  -
Buchbesprechung

internationalesozialisten.de

“Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister” von Peter BIERL  -
Buchbesprechung

Die TAZ am 19.7.2000

Josef K r a u s
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)
RHEINISCHEN MERKUR vom 4. August 2000

 

 

Buchbesprechung zum
"Schwarzbuch Anthroposophie”
von Guido und Michael Grandt  


Das Verbot des Schwarzbuch Anthroposophie

Ein Beispiel für Zensur durch Religionsgemeinschaften
aus: Die Zeitung des AStA der Universität zu Köln, 6. Oktober 1997

 

Ein Beispiel für Zensur durch Religionsgemeinschaften

Bei der Bewertung der Gefährlichkeit von Sekten wird teilweise mit kuriosen Kriterien gearbeitet -die einen sehen angesichts der "Scientology"-Präsenz Hannibal ante portas. Andere, mindestens genauso dubiose und antihumanistische Lehren werden hingegen mit öffentlichen Mitteln großzügig gefördert, schaffen es, ihre AnhängerInnen in allen Bundestagsparteien unterzubringen und kritische Veröffentlichungen über sich zu unterdrücken: Die Rede ist von der Anthroposophie und von den SteinerinanerInnen.

Die Lehre

Rudolf Steiner (1861-1925) war ein bekennender Antisemit, Rassist, Deutschnationaler und okkultistischer Spinner. Konsequent unterstützte Steiner den deutschen Imperialismus im 1. Weltkrieg. Er pries den Krieg als Lehrmeister der "Spiritualität" und der "Selbstlosigkeit". 1921 verfaßte er einen Aufruf zur "Rettung Oberschlesiens".

Er war der Gründer der Anthroposophie. Alle anthroposophischen Einrichtungen (z. B. Waldorf-Schulen, Weleda-Werke, Demeter) und Anhänger-Innen berufen sich auf seine Bücher und Lehren. Das gilt zumindest in der BRD; der Bundesvorstand der niederländischen Anthros hat sich 1996 mehrheitlich von den rassistischen Äußerungen des Meisters distanziert.

Die Anthroposophie versteht sich als eine Elitetheorie, als ein geheimes Wissen, das Eingeweihten den Kontakt zu höheren Geistwesen" verschafft. Zwischen Menschen verschiedener Bewußtseinsstufen herrsche daher eine natürliche Hierarchie. Zentrale Dogmen der Anthroposophie sind die Lehre von der Wiedergeburt und von der Existenz von Engeln, die den Menschen führen. Die anthroposophische Reinkarnationslehre ist ein glitschiger Saumpfad in den Abgrund der nazistischen Auschwitzlüge. Auf einem Vortrag mit dem Titel Holocaust und Reinkarnation" im Goetheanum, dem Hauptquartier der SteinerianerInnen war zu hören: Die körperliche Wiedergeburt sei eine von "mannigfachen Konsequenzen, die aus der Notwendigkeit erwüchsen, Leiden, die man anderen zugefügt habe, am eigenen Leib zu erfahren" (Wassermann Nr. 4/97, S. 13). Und darum kehren Juden immer wieder auf den irdischen Planeten zurück, um "Heilungsarbeit für die Erde zu leisten."

Der Streit um das Buch

Die Ankündigung eines "Schwarzbuch Anthroposophie - Rudolf Steiners okkult-rassistische Weltanschauung" von Guido und Michael Grandt mit einer Fülle von Dokumenten über und Berichten von Opfern systematischer Menschenrechtsverletzungen in Waldorfschulen drohte Anfang `97 die Idylle der AnthroposophInnen zu stören. Sofort begann eine publizistische und juristische Kampagne, an der an führender Stelle die anthroposophische Zeitschrift INFO 3 beteiligt war, um das Erscheinen des Buchs in der BRD zu verhindern.

In der Weltwoche versuchten Steiners Verteidiger die Nähe der Anthroposophie zum NS-Faschismus zu leugnen: Einzelne Schulleiter hätten sich "angepaßt". Tatsächlich gibt es einen offiziellen Brief der Anthroposophischen Gesellschaft an Hitler. Dort wird auf die eigene Kompatibilität mit den "Werten" des NS-Systems verwiesen, denn auch Steiner sei "arischer Abstammung" und habe sich für das "Deutschtum" engagiert. Am 6. Juni 1933 bekannte das Vorstandsmitglied G.Wachsmuth, daß die "Anthroposophen mit Sympathie auf das schauen, was z. Zt. in Deutschland geschieht" und wie die Führer des "neuen Deutschland" sich auf tapfere und mutige Weise" der Probleme bemächtigen. Zu finden sind diese und mehr belastende Dokumente im besagten Schwarzbuch; diese Enthüllungen über die "menschenfreundliche" Lehre wären wohl äußerst peinlich geworden.

Ein Eigentor schossen die Buchverbieter in der Weltwoche vom 3.4.1997 (Autor: L. Hartmann). Zuerst zitierten sie Steiners Tiraden über das "starke Triebleben der Neger" und kolportierten seine Warnung, wonach "schwangere weiße Frauen" keine "Negerromane" lesen sollten, weil sie sonst Mulattenkinder gebären würden". Aber - so die rhetorisch gemeinte Frage - ist Steiner deswegen Rassist?".

Tatsache ist, daß es sich bei Steiner nicht um "rassistische und antisemitische Entgleisungen" handelt, sondern seine Lehre basiert im Kern auf der Wahnidee von den "menschlichen Wurzelrassen", die in verschiedenen Etappen der Geschichte aufgetreten seien. Dabei sei eine "Höherentwicklung vom Affen über den Neger" bis zum Arier vollzogen worden, letzterer stelle die höchste menschliche Entwicklungsstufe dar.

Die wertvollste Unterstützung für die Steinerianer kam übrigens von der TAZ, die regelmäßig Sonderseiten zur Anthroposophie veröffentlicht und die viele ihrer Einrichtungen zur Stamm-Anzeigenkundschaft rechnet. Die TAZ (5.2.1997) traute sich seinerzeit zwar nicht, direkt die dokumentierten Fakten über Steiners Rassismus zu leugnen. Aber man versuchte, die Kritik durch Übertreibung zu karikieren ("Ein Gruselhandbuch").

Waldorfpädagogik - eine Qual für Kinder

Durch viele Dokumente und Berichte von ehemaligen Opfern der Waldorfschule gibt das Schwarzbuch einen Überblick über die systematischen psychischen Schädigungen und die Mißhandlungen, die durch die Anwendung der Steiner-Religion auf die praktische Pädagogik bewirkt werden. Steiners Rassismus hat vollständig Eingang in den Unterricht genommen: Im sogenannten Epochenunterricht (gemäß des zyklischen Weltbildes der Anthros) wird die Abfolge der "Wurzelrassen im Weltenplan" gelehrt und das Auftreten von Göttern, Dämonen und die Heldensagen als Realereignisse gelehrt. Im 5. und 6. Schuljahr steht der Mythos des versunkenen Atlantis" auf dem Lehrplan samt der darauffolgenden Wanderungen der "Arier" bis nach Indien und zu ihren "Gott Manu". Dessen Gesetzbuch schreibt u. a. grausame Strafen für die widersetzlichen Angehörigen niedriger Kasten vor; Frauen müßten in Manus Lehre unterworfen, gezüchtigt und gedemütigt werden.

Zwar ist es den Anthros nicht gelungen, die Ausstrahlung eines kritischen Filmbeitrags der Brüder Grandt verbieten zu lassen. Nachdem der Verlag in der zweiten Instanz des gegen ihn angestrengten Prozesses einige Stellen im Buch schwärzen mußte (und die Dokumentation in dieser Form im Buchhandel legal weitervertrieben werden konnte) stellte er den Vertrieb ein. Schade, denn es hätte trotz einiger Schwächen dazu beitragen können, eine breitere Öffentlichkeit über die abstrusen Wahnvorstellungen Rudolf Steiners aufzuklären und den "geheimen Lehrplan" der beliebten Waldorfschulen aufzudecken.

Und das wäre nötig: Die Anthro-Einrichtungen erhalten reichlich öffentliche Unterstützung. In NRW wird gar eine ganze private Hochschule (Witten-Herdecke) vom Land mit Millionenbeträgen gesponsort - übrigens die einzige Hochschule in NRW mit Studiengebühren! An manchen erziehungswissenschaftlichen Fachbereichen gehört die Waldorfpädagogik zu den anerkannten Ansätzen. Und Waldorfschulen erhalten von städtischen Verwaltungen oft eine bevorzugte Behandlung (z. B. in Köln).

Quelle:  http://www.akdh.ch/ps/ps_48VerbSchwBuch.html

Rudolf Steiner (1861-1925), der zu jener Zeit Generalsekretär des deutschen Zweigs der Theosophischen Gesellschaft war, erhielt 1906 eine Charter als Stellvertretender Großmeister eines untergeordneten O.T.O./Memphis/Misraim Kapitels und Großkonzils namens "Mystica Aeterna" in Berlin.

Quelle: http://www.oto.de/hist_Reuss_dt.html

Fundort: http://www.gutadolphshof.de/info.htm

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ein weiteres Buch der gleichen Autoren:           

Guido und Michael Grandt
Waldorf Connection. Rudolf Steiner und die Anthroposophen
3. Auflage 2001, 381 Seiten, kartoniert, Euro 18,50
ISBN 3-932710-40-1

Die Anthroposophie genießt weithin den Ruf, eine tolerante, hochgeistige Weltanschauung zu sein; die Waldorfpädagogik wird von vielen Eltern als Kreativität und Selbstwertgefühl fördernde Alternative zum Unterricht in einer Regelschule angesehen. Zu Unrecht meinen die Journalisten Guido und Michael Grandt.

Die Autoren vergleichen Anspruch und Wirklichkeit der Waldorf Connection. Sie dokumentieren die okkulten und rassistischen Anteile an der Weltanschauung Steiners, setzen sich ausführlich mit dem pädagogischen Konzept und dem Unterricht der Waldorfschulen auseinander und erörtern den Einfluß der Anschauungen des “Meisters”.

Nach einem ersten Prozeß, angestrengt von einem von den Anthroposophen aufgebotenen “Experten”, ist das Buch nun in leicht veränderter Fassung wieder lieferbar.

Medienstimmen

“Unentbehrliche Lektüre für jeden, der mit der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners oder Waldorfschulen zu tun hat. “ (StudentenZeitung Mainz, Dezember 1998)

“Die Grandts liefern für ihre Auffassung eine Fülle von Belegen.” (Blick nach rechts, 2.12.1998)

“Dieses Buch ist ein wertvoller Beitrag für eine kritische Auseinandersetzung mit Inhalten und erzieherischen Methoden, mit denen Kinder und Jugendliche konfrontiert sind.” (Sozialistische Zeitung, 26.10.2000)

“Wer nach Argumenten gegen die von vielen geschätzte Waldorfpädagogik sucht, kann hier in vielfältiger Weise fündig werden (...) Als Herausforderung zur kritischen Auseinandersetzung dürfte das Buch ... hilfreich sein.” ( Die Deutsche Schule 2/1999)

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Ausführliche Replik der Waldorfianer: http://www.flensburgerhefte.de/Leseproben/LESE63.htm

kurzer Auszug:

Sie fragen nach einer Charakteristik dieses Journalismus. Da fällt mir nur ein Bild ein: Wenn ich in der Nähe meines Hauses spazierengehe, gibt es dort auch andere Spaziergänger. Sie führen ihre Hunde aus. Während mein Blick auf Bäume, Vorgärten, die Blumen, die mir begegnenden Menschen fällt, bewegen sich unten die Hunde, schnüffelnd von Duftmarke zu Duftmarke und jeweils ihre eigene hinterlassend. Sie folgen einer Spur, sie riechen Urin und Kot; Rosenduft oder Veilchen interessieren sie nicht. Es besteht ein inniger Zusammenhang zwischen dem Erschnüffeln und der eigenen Ausscheidung. So wird hier Steiner verarbeitet. Die Grandts beispielsweise haben Steiner nach meiner Einschätzung nicht gelesen. . . . ”

 

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Forum: Ist die Anthroposophie rassistisch?

Quelle: http://www.internationalesozialisten.de/kk28/antrophosophie.html
 

Überall findet die Anthroposophie - die esoterische Lehre Rudolf Steiners - Anhänger, obwohl sie in der Vergangenheit viel Anlass für Kontroversen geboten hat.

Christoph Brincken vertritt die Ansicht, Steiners Weltbild sei nicht ausdrücklich rassistisch, sondern ganz gewöhnliches “Opium des Volkes”, während Jan Pakulski meint, dass der Rassimus die Grundlage für die Anthroposophie bildet.
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Jan Pakulski
Vielleicht können die Dogmen der Antroposophie heute auch ohne Rassismus auskommen, Steiner schien es jedenfalls nicht zu können. Ganz Anthropologe, ging Steiner von der Einheit von Körper und Geist aus. Das bezog er nicht nur auf Individuen, sondern vor allem auf Rassen - was seinem Konzept von Ganzheitlichkeit entsprach. “Die Neger” gehörten für ihn zu einer “degenerierten”, “zurück gebliebenen” und mit “starkem Triebleben” ausgestatteten Rasse, womit er auch ihren Geist für “degeneriert” und “zurück geblieben” erklärte. Somit empfahl er auch nicht nur körperliche, sondern auch geistige Rassenhygiene, da sich eine in seinen Augen höher wertige Rasse durch die minder wertige Kultur einer anderen ,infizieren‘ könne:

“wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt zu werden, dass Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben werden, die mulattenähnlich aussehen werden!”1

Völker bilden für Steiner dann Unterkategorien der Rassen. Und wahrscheinlich überrascht es niemanden mehr, dass er gerade im deutschen Volk etwas ganz besonderes sieht. So zitiert er zustimmend den katholischen Priester Xavier Schmidt: “Wie Israel auserwählt war, den Christus leiblich hervor zu bringen, so ist das deutsche Volk auserwählt, denselben geistig zu gebähren.” Und Steiner kommentiert: “Wie ist das Erfassen des Christentums im Geiste von diesem einfach gebildeten Priester Xavier Schmidt gekennzeichnet! Es lebt das, was ich charakterisiert habe, schon durchaus bis in das tiefste Volksgemüt hinein.”2

Man kann die Dinge drehen und wenden, wie man will, man kommt nicht drum herum: Steiner war durch und durch Rassist; und wenn er auch die theosophische Einteilung der Rassen in höher- und minderwertige abgelehnt hat, dann nur, um seine eigene zu entwickeln. In ihr waren die Rassen Verkörperungen kosmisch-geistiger Entwicklungsstufen; und die Arier befanden sich in Steiners Lehre in einem höheren Stadium als etwa die Semiten.3

Je nach politischer Lage fand sich Steiner aber auch bereit, seine Rassenlehre zu modifizieren. So übte er sich nach dem Ersten Weltkrieg, als die Völkische Bewegung die Reparationsforderungen Frankreichs angriff, in offenem Franzosenhass, auf den er seine 4.000 Mitglieder einschwor: Die französische Kultur verkörpere das untergehende Römertum, weshalb man sich ihr verschließen müsse.

Politisch wandten sich die Anthroposophen gegen die Demokratie: Sie sei ein Westimport; und schließlich orientierte man sich an östlichen Reinkarnations-Lehren.

Diese Hinwendung zum Osten brachte den Anthroposophen 1935 ein Verbot unter den Nazis ein, auch wenn hohe Funktionäre des NS-Regimes sich schützend vor einige der esoterischen Einrichtungen stellten - so ließ z.B. Rudolf Hess einige Waldorfschulen bis 1937 weiter führen, und der Dachauer KZ-Arzt Sigmund Rascher verwandte Medikamente der Arzneimittel-Firma Weleda.4 Und selbst bis heute werden anthroposophische Institutionen - Schulen, Krankenhäuser, ökologische Einrichtungen usw. - von Nazis genutzt, um ihre Propaganda unter dem scheinbar unpolitischen Deckmantel der Esoterik oder auch der Ökologie zu verbreiten.5

Die Waldorf-Pädagogik

Die meisten Anthroposophen sind sich dieses Sachverhaltes vielleicht nicht bewusst, genauso wenig wie des rassistischen Fundamentes, auf dem die Anthroposophie aufbaut. Als Anhänger von Steiner leben sie damit allerdings in einem Widerspruch, denn sie ignorieren den Ganzheitlichkeits-Anspruch, den er an seine Lehre gestellt hat (was natürlich immer noch besser ist, als wäre jeder Anthroposoph ein offensiver Verfechter des Rassismus).

Mit diesem Widerspruch leben auch die Waldorfschulen. Kaum ein Schüler verlässt sie als glühender Verfechter der Anthroposophie, aber bestimmte Grundlagen von ihr vertritt er durchaus - “Anthroposophie als geheimer Lehrplan” nennt Peter Bierl das in seinem Buch über Steiner.6

Auch mit dem Vorurteil muss aufgeräumt werden, die Waldorfpädagogik sei irgendwie ,fortschrittlich‘, freigeistig oder gar antiautoritär. In erster Linie soll den Schülern ein Empfinden für Spiritualität in Form von Religiosität beigebracht werden. Ansonsten kommen Steiners starre Dogmen zum Tragen. So wird etwa eine Formen- und Farblehre vermittelt, die als universell gilt. Andere Formen und Farben werden nicht akzeptiert und somit auch keine wirkliche Kreativität. Das Fußballspielen ist verpöhnt und wird nicht gern gesehen auf Waldorf’schen Schulhöfen; propagiert wird ein spiritueller Zugang zum Sport - “vergeistigtes Turnen” z.B.

Die Abgänger aus diesen Schulen gehören oft zu dem, was gern als “Elite” bezeichnet wird. So gibt es etwa überdurchschnittlich viele Manager unter ehemaligen Waldorfschülern. Sollte Steiners Pädagogik also wirklich irgendwie progressiv sein, so dient sie nur dazu, die Menschen heran zu züchten, die später dafür zuständig sind, die Ausbeutung der Lohnabhängigen zu organisieren.

In dieses Bild passt auch, dass Waldorfschulen Privatschulen sind und von den Eltern finanziert werden müssen. Der einzige Anteil von Schülern, der noch kleiner ist als der von Arbeiterkindern ist der Ausländeranteil. So ist es zwar unmöglich, Anhaltspunkte dafür zu finden, dass in den Waldorfschulen geplant rassistische Ideen verbreitet werden, aber mit gewisser Berechtigung kann man sagen, dass das Schulgeld die Schüler sowohl von der Arbeiterklasse als auch von Ausländern trennt - ein praktizierter und äußerst exklusiver Rassismus sozusagen.

Fazit

Die Anthroposophie steht ausdrücklich auf einer rassistischen Grundlage. Wenn das heute auch die wenigsten Anthroposophen wissen (oder einfach nicht wahr haben wollen), dann liegt das daran, dass die ganze Lehre Steiners religiöser Hokuspokus ist. Lässt man wichtige Bestandteile dieses Dogmas einfach weg, verliert es zwar seinen inneren Zusammenhang, aber das kann einer Religion ja nichts anhaben. Auf den Waldorfschulen wird dann - wenn überhaupt - auch nur die abgespeckte Anthroposophie-Variante gelehrt (die ohne Rassismus).

Trotzdem haftet der Anthroposophie noch eine Erblast an aus der Zeit, in der sie den Rassismus offen propagieren durfte: Viele anthroposophische Gesellschaften dienen Alt- und Neonazis nach wie vor als Seilschaften, in denen sie ihr Unwesen treiben und in Tarnung auf ihr Zielpublikum einwirken können.

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Christoph Brincken

Rudolf Steiner ist der Schöpfer der Anthroposophie. Bekannt wurde er durch die Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen, die nach den Prinzipien seiner Lehre geführt werden.

Er wurde 1861 in Kraljavec in Östereich-Ungarn geboren. Später zog er nach Wien. 1884 bis 1890 war er Hauslehrer. Er erzog die Kinder der Familie und widmete sich schließlich vollständig dem als abnormal betrachteten, geistig zurückgebliebenen Sorgenkind der Familie. Er entwickelte eine Bildungsmethode, mit der er den zurückgebliebenen Sohn soweit fördern konnte, dass dieser später sogar studieren und Arzt werden konnte, um aber dann als solcher im Ersten Weltkrieg zu krepieren. Dieser Erfolg sollte den Werdegang des jungen Steiners nachhaltig prägen.

Von der Theosophie zur Anthroposophie

Steiner lebte in Wien, verkehrte in den dortigen Kaffeehäusern und im Hause der Theosophin Marie Lang. Er entwickelte jedoch seine eigene ,Erkenntnistheorie‘. Durch seine obskurantistischen Aktivitäten1 brachte er es zum Herausgeber der Goethe-Werke in der Deutschen Nationalliteratur. Zu Goethe schrieb Steiner die Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung. Diese Grundlinien wurden das Gerüst für seine Antroposophie.

Die Antroposophen verehren Goethe als eine Art Universalgenie und Halbgott. Dass ihr leuchtendes Vorbild Spitzelbriefe an das preußische Innenministerium schrieb, bleibt dem Waldorfschüler allerdings verborgen.

1890 wurde Steiner Mitarbeiter am Goehte-und-Schiller-Archiv in Weimar, wohin er übersiedelte. Er machte von dort aus seinen Doktor in Philosophie. Seine Dissertation hat den Titel: Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre: Prolegomena zur Verständigung des philosophischen Bewusstseins mit sich selbst (1891).

1894 publizierte er Die Philosophie der Freiheit. Abgekürzt kann man feststellen, dass er vom ,reinen Geist‘ ausgeht, aber auch von einer materiellen ,realen Welt‘. Gegenüber dem reinen Idealismus argumentierte er materialistisch, den Materialisten gegenüber argumentierte er idealistisch und betont die ,geistige Welt‘.

1897 zieht Steiner nach Berlin. Er übenimmt Das Magazin für Literatur. Nebenbei arbeitete er als Lehrer in der von Wilhelm Liebknecht gegründeten Arbeiter-Bildungsschule, wo er jedoch nicht die marxistische, sondern seine eigene Geschichtsauffassung lehrte. Seine Tätigkeit endete 1905; vermutlich war den Sozialdemokraten Steiner zu obskur. Später sollte er schreiben:

“Ich habe den Eindruck, wenn damals von Seite einer größeren Anzahl unbefangener Menschen die Arbeiterbewegung mit Interesse verfolgt worden wäre, so hätte sich diese Bewegung ganz anders entfaltet. Aber man überließ die Leute dem Leben innerhalb ihrer Klasse. ... Es fehlte allmählich jede Brücke zwischen den Klassen”.

Steiner suchte sich einen neuen Wirkungskreis und arbeitete mit den ,Friedrichshagenern‘ und dem ,Giordano-Bruno-Bund‘ zusammen. Am 8. Oktober 1902 hielt er den Vortrag Monismus und Theosophie, bei dem er den Monismus, die Philosophie der Einheit von geistiger und materieller Welt in Frage stellt. Daraufhin schlossen die Monisten ihre Türen, und Steiner war wieder allein. Doch 1900/ 01 hatte er bereits 27 Vorträge vor Theosophen gehalten zum Thema Von Zaratustra zu Nietzsche. Entwicklunggeschichte der Menschheit anhand von Weltanschauungen von den ältesten orientalischen Zeiten bis zur Gegenwart, oder Antroposohie, 25 Abende zum Thema Das Christentum als mystische Tatsache folgten. Die Theosophen trugen ihm daraufhin die Stelle des Generalsekretärs der deutschen Sektion an, obwohl er seine eigene Lehre vertrat, wie er später schreiben sollte. In der Biografie von Heimsleben schreibt dieser auf Seite 79 über Steiner:

“Vom ersten Tage seines Wirkens an bestand zwischen dem, was als ,Theosophie‘ von Helena Petrowna Blavatsky verbreitet wurde und den Lehren Rudolf Steiners ... ein prinzipieller Unterschied. Nichts aber auch wirklich gar nichts, was nur aus okkulter Überlieferung stammte, ließ Steiner gelten”.

Steiner hatte zwar die Begriffe der Theosophen teilweise übernommen, »um sich verständlich zu machen«, operierte aber mit eigenen Inhalten. Kurz, Steiner machte Entrismus bei den Theosophen: Auf ihre Kosten wuchs seine eigene Strömung, indem er ihre Mitglieder für seine Lehre gewann. Steiner wertete die klassische griechisch-westliche Philosophie und den christlichen Mystizismus nach seiner eigenen Erkenntnislehre um, während die Theosophie beides ablehnte und eher östlich-spiritualistisch-okkult war. Als die Vorsitzende den Knaben Krisnamurti zur Reinkarnation von Christus erklärte, erkannte die deutsche Sektion das nicht an und wurde ausgeschlossen. Steiner benannte sie in Antroposophische Gesellschaft um.

Obwohl Steiner seine eigene Obskurologie entwickelt hatte, dürften ideologische Elemente der esoterischen Theosophie immer noch einigen Einfluss innerhalb der Antroposophischen Gesellschaft haben.

Die Theosophie hat ein stark rassistisches Element, die Wurzelrassentheorie, und man darf annehmen, dass mancher, der Steiners Einführung in die Theosophie las - in Wirklichkeit eine Einführung in Steiners - später auch Blavatskys Lehre gelesen hat.

Marxismuskritik

1919 veröffentlichte Steiner Die Kernpunkte der sozialen Frage - seine Auseinandersetzung und Abrechnung mit dem Marxismus. Er bemerkte nüchtern, dass es nicht genüge, gegen Marx zu polemisieren, die wissenschaftliche Lehre des Marxismus habe vielmehr das Proletariat durchdrungen und Klassenbewusstsein geschaffen:

»Mit der Meinung, dem ,ungebildeten‘ Proletarier sei durch den Marxismus ... der Kopf verdreht worden ... kommt man nicht zu einem auf diesem Gebiete notwendigen Verständnis.«
 

Und ein solches ist die Erfüllung des proletarischen Klassenbewusstseins mit Begriffen, die ihren Charakter aus der neueren wissenschaftlichen Entwicklung heraus genommen haben. Steiner schrieb desweiteren über die Warenbeziehungen, die den Arbeiter selbst zur Ware werden lassen und hielt diese Kapitalismuskritik für nicht anfechtbar. Steiner kritisierte die Wissenschaftlichkeit des marxistischen Denksystems, andere Klassen hätten sich geistige Denkwelten bewahrt, und die Arbeiter müssten in diese wieder hinein geführt werden. Der Sozialismus sei durch seinen kollektiven Charakter nicht geeignet, eine bessere Gesellschaft zu bilden, vielmehr sei das private Kapital Voraussetzung für den freien Menschen, die Gesellschaft mitzugestalten.

Desweiteren müsse die kapitalistische Gesellschaft nach “organischen Prinzipien” umgemodelt werden. Geistes-, Rechts- und Wirtschaftsleben sollten getrennt werden. Er schuf auch eine “Bewegung für die Dreigliederung des sozialen Organismus”. Mit diesen Ideen versuchte er erfolglos, auf die herschenden Preußen einzuwirken.

Denen hingegen war die Idee gegen den bei den Proletariern verbreiteten Marxismus äußerst willkommen, und die Waldorf-Astoria-Werke wandten sich an Steiner für ein Programm zur Erwachsenen-Bildung, aus dem dann die Waldorfschulen entstanden.

Resumee

Rudolf Steiner hat alles - von Zarathustra, Karmalehre, Christentum mit Teufeln und Engeln, Goethe, Fichte Herder, Buddhismus bis hin zu sonstigen theosophischen und okkulten Ideen - zu einem ,Antroposopischen Weltbild‘ verwurstet. Von vielen anderen Okkultisten unterschied er sich zumindest durch den Anspruch seiner Lehre auf reale Veränderungen, die jedoch meist auf die Entwicklung des Individuums gerichtet waren.

Seine Ideologie erzielte ihren Erfolg nicht durch die Richtigkeit der Lehre, sondern, weil er einerseits mit seiner Lehre eine Überwindung der Entfremdung im Kapitalismus anbot, die mit okkultem Opium zusätzlich stimulierte. Die Aneignung von menschlichem Grundwissen wie Musizieren, Holz- und Metallbearbeitung, Backen, Gartenbau, Nähen, Malen, Heilkunde etc. machte die so Erzogenen in der Tat zu vielseitigen Persönlichkeiten, die bestens für die Zivilisationsgründung auf einsamen Inseln vorbereitet waren. Dieses esoterische Erfolgsmodell finden wir überall da, wo reales praktisches Wissen meist fremder Kulturen mit okkultem Zuckerguss als tieferer Weg zur Erleuchtung angepriesen wird.

Der andere Erfolgsgarant war die Einsetzbarkeit gegen den ,ungeistigen materialistischen Marxismus‘, also die ganz ,geistig und unmaterialistische‘ Finanzierung Steiners.

Steiner hat einen Verein übernommen, dessen Ideologie im Kern rassistisch war, Steiners eigene Lehre war es jedoch nicht. Die Antroposophen und die Christengemeinschaft sind somit mit Vorsicht zu genießen, da ,rassistische Rückstände‘, d.h. ehemalige Mitglieder in der Nazi-Szene in Erscheinung getreten sind. Explizit rassistisch ist die Antroposophie jedoch keinesfalls.

Fußnoten

1 obskurantistisch, lichtscheu, aufklärungsfeindlich, hier: esoterisch. Praktisch bedeutete das z.B., dass in der biodynamischen Landwirtschaft à la Steiner verschiedene Gemüsearten je nach Stand des Mondes geerntet wurden oder die Entwicklung einer eigenen medizinischen Lehre, die wissenschaftliche Erfahrungswerte völlig ignorierte.

 

Fußnoten
 

1 Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Bd. 348, Dornach 1983, S. 189

2 Rudolf Steiner, Aus dem mitteleuropäischen Geistesleben, Dornach 1962, S. 627

3 Vgl. Helmut Zander, Sozialdarwinistische Rassentheorien aus dem okkulten Untergrund des Kaiserreichs, in: Handbuch zur ,Völkischen Bewegung‘ 1871-1918, München 1996, S. 241

4 Arfst Wagner, Anthroposophen und Nationalsozialismus (Tl. 1), in: Flensburger Hefte, Nr. 32 (1991), S. 31, S. 51

5 Vgl. Jutta Ditfurth, Entspannt in die Barbarei: Esoterik, (Öko-)Faschismus und Biozentrismus, Hamburg 1996

6 Peter Bierl, Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister: Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik, Hamburg 1999, S. 202-217

 

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 Buchbesprechung zu
“Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister”
von Peter BIERL

 

Lächeln bis der Arzt kommt

Hinter der ewigen anthroposophischen Freundlichkeit verbirgt sich ein eher finsteres Weltbild - bei den Steiner-Schülern sieht´s metaphysisch aus wie bei Wojtyla unterm Sofa

Anthroposophen sind nette Menschen. Ihre "Waldorf"-Schulen sind kleine Elite-Tempel des Friedens, der Eintracht und musischen Besinnung. Erst mit dem Erstarken der Esoteriker-Szene im letzten Jahrzehnt fiel auf, daß Anthroposophie ja irgendwie auch eine Religion ist (die Anhänger reden von "Geisteswissenschaft"), die auf den Schriften und Reden des Österreicher Rudolf Steiner (1861-1925) fußt.

Dessen Wirken und Denken hat sich der Journalist Peter Bierl zur Brust genommen und in dem Buch Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister zusammengefaßt. Da lernen wir: Es gibt kaum eine Dummheit, die Rudolf Steiner nicht gedacht oder geschrieben hätte. Er war Rassist, Esoteriker, Prophet, Exeget, mischte einen Haufen bestehender Lehren zu einer "wissenschaftlichen Weltsicht" zusammen und fand nebenbei heraus, daß der I. Weltkrieg eine Verschwörung gegen die "spirituelle Mission" Deutschlands gewesen sei, angezettelt vor allem von den geldgeilen Engländern, den Jesuiten, Freimaurern, Juden - und der englischen Theosophin Annie Besant, Chefin einer Konkurrenz-Organisation im Biotop der Bekloppten.

Die "Rassen" sind, laut Steiner, Ausdruck unseres karmischen Status: Während Indianer unter einem "früh verhärteten Leib" leiden, Neger vor allem gut tanzen können und der Asiate seine innere Leere hinter einem unergründlichen Lächeln verbirgt, kann nur der weiße Mann zur spirituellen Weisheit aufsteigen. Neben Karma und Klimbim wird unser Schicksal durch die sieben "Wurzelrassen" bestimmt. Die sind keine Erfindung Steiners (was er nicht zugibt) und zerfallen in sieben Unterrassen, alle beladen mit einer Mission. Von 1415 bis 3573 ist die nordisch-germanische Rasse am Drücker.

Die Vorgänger-Wurzelrasse waren die Bewohner von Atlantis, wo sich 1 Millionen Jahre lang (!) Kultur ballte, die Autos fliegen konnten und die Menschen mit Gemüse heizten. Vorgänger der Atlantoiden waren die "Lemurier", die den Willen entwickelten und ihre Kinder gerne mit spitzen Gegenständen durchbohrten. Direkt nach den Atlantoiden kommen die Arier. Die repräsentieren endlich die überlegene weiße Rasse, wohingegen Neger "alle Wärme des Weltalls" im Rückenmark (!) ansammeln, deshalb inwendig "gekocht" werden und daher ein starkes Triebleben haben - ehrlich war!

Daß vor allem die Nazi-Zeit so danebenging - von den Steiner-Jüngern erst freudig begrüßt, nach ´45 aber wegen "mangelnder Spiritualität" verdammt - lag am fehlenden Schutzengel. Wo ansonsten der Erzengel Michael den Deutschen voranschreitet und inzwischen, so "aufgeklärte" Steiner-Jünger, an einer Überwindung des Rassismus arbeitet, muß um '33 einen Sonnendämon namens Sarot tätig geworden sein, der nur alle 666 auftaucht, dann aber heftig, und zusammen mit Luzifer und dem anthroposophischen bösen Dauer-Brenner Ahriman hat der die Deutschen verführt.

Es gibt vieles im Steiner-Universum (und den Waldorf-Schulen), was es nicht geben darf: Computer etwa (Binär-Logik ist die Domäne von Dämon Ahriman), Fußball (spirituell unrein), Sport (macht geistig müde), Comics (teuflisch), Jazz (entartet), Techno (Vorbote der Apokalypse), Sex, Lego und "Rassenschande" (bringt das Karma durcheinander).

Die Anthroposophie ist eine Sekte wie Scientology: Straff organisiert, mit menschenfeindlichem Weltbild ausgestattet (Behinderte sind zurecht behindert, der Holocaust hat die Juden von ihrem bösen Karma erlöst) und einem aggressiven Elite-Bewußtsein. Nur die Weltherrschaft wird nicht angestrebt. Weil der wahre Wille und die wahre Macht sich eh' nur spirituell ausdrücken, und viel wichtiger ist, wer später mal an Gottes Fußbänkchen sitzen darf. Als Sekte sind die Steiner-Fans erstaunlich unaggressiv und von enervierender Güte; das ändert nichts daran, daß sie einem Lehrer folgen, dessen Geisteszustand ziemlich durchgehend gaga gewesen sein muß.

Erich Sauer

Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1999, 269 S., 39,- DM

Fundort: http://www.ultimo.devcon.net/kr-buch/b-steine.htm

 

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Der oft zitierte TAZ-Artikel

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Fundort: http://www.wer-weiss-was.de/theme42/article445591.html

Habt Ihr heute im Fernsehen die Nachricht gehört: in den freien Waldorfschulen (schreibt man die so? glaube nicht!) steht in den Lehrbüchern, dass die europäisch-arische Rasse zum kreativen Denken geboren ist und die schwarze geistig Kinder sind und nur einen Nachahmungstrieb haben! Jetzt weiss ich endlich, dass ich zum Höheren geboren bin! Heil Hitler! Grüße Raimund 

   Titel: Antroposophie in Waldorf-Schulbüchern? Autor: C h r i s t o p h e r   B e r g m a n n   Datum: 25.11.2000 23:17 Uhr

Darüber gab es vor etwa einem Vierteljahr mal eine lebhafte Diskussion. Ich habe Dir einen Artikel aus der "taz" ausgegraben:

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Zwischen anthroposophischen Fronten

Das Politikmagazin "Report" hat an Waldorfschulen rassistische Lehrinhalte entdeckt. Seitdem wird um die Anthroposophie Rudolf Steiners wieder gestritten. Waldörfler und Waldorfgegner stehen sich unversöhnlich gegenüber - sie wollen den Kampf um den goldenen Weg der Erziehung gewinnen.

Diese Schule sei eine wunderbare Märchenwelt, sagt Herr Edelstein. Alles sei schön, sagt er. Schön und natürlich und gerade richtig, damit Glück in den Augen seiner Kinder funkelt. Die Schulhefte seien ein Traum, sagt er. Mit Seidenpapier und bunt und fröhlich. Herr Edelstein liebt die Waldorfschule. Frau Edelstein auch. Sie sind luden.

Es sei eine antisemitische Schreckenswelt, sagt Frau Jacob. Alles sei sektiererisch, sagt sie. Sektiererisch und hierarchisch und geheimbündlerisch, damit Ideologie die Augen der Kinder verschließe. Die Schulhefte seien ein Alptraum, sagt sie. Ohne Inhalt und rassistisch und gleichgeschaltet. Frau Jacob hasst diese Schule. Sie ist eine Gegnerin der Waldorfschule, eine erbitterte.

Wer auch immer sich dem Thema Waldorfschulen widmet, dem wird schnell klar gemacht: Entscheide dich. Dies ist ein Streit um Grundsätze. Und wir wollen wissen: Auf welcher Seite stehst du?

Report Mainz, das Politikmagazin des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR), hatte sich klar entschieden. Klar für die Waldorfgegner. Im Februar strahlte Report einen Beitrag aus, in dem enttäuschte Eltern schwere Anklagen gegen die Waldorfschulen erhoben: Rassistische und antisemitische Inhalte würden dort verbreitet.

Vor zwei Wochen legte Report nach. Es präsentierte ein Buch mit einschlägig rassistischen Zitaten. Das Werk namens "Atlantis" aus der Feder des Steiner- Mitarbeiters Ernst Uehli stammt von 1936. Und findet sich noch 1998 in den "Literaturangaben für die Arbeit des Klassenlehrers an einer Freien Waldorfschule" Mit Report ist der uralte Streit um Rudolf Steiner und seine Ideologie wieder aufgeflammt. Die Stimmung ist geladen.

Frau Jacob auch. Ihr Tochter war Waldorfschülerin, heute ist Frau Jacob die Vorsitzende der "Initiative zur Anthroposophie- Kritik" (IzAK). Frau Jacob macht mobil. Mit Flugblättern, die in großen schwarzen Lettern überschrieben sind mit: "Stop dem Anthroposophen-Kult". Angst vor Repressalien

"Ich weiß nicht, warum sie das alles sagen. Das ist Verleumdung': sagt Frau Edelstein und zieht sich das wollene Tuch fester um die Schultern. Ihre Kinder sind an der Steiner-Schule im Berliner Stadtteil Zehlendorf. "Ich bin sehr aufmerksam beim Thema Antisemitismus. Viele meiner Familie sind in Konzentrationslagern umgekommen," sagt Herr Edelstein.

"Wir würden den Vorwürfen gerne nachgehen': sagt Detlef Hardorp, der bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen Berlin-Brandenburg. Allerdings seien auf Anfrage weder Schulnamen noch Namen der betroffenen Eltern und Schüler offengelegt worden. "Vielleicht weil es sie gar nicht gibt", sagt der Waldörfler Hardorp. "Natürlich gibt es die. Sie haben nur Angst vor Repressalien': sagt die Antiwaldörflerin Jacob.

"Wir waren schon immer die Außenseiter der Gesellschaft, denen man gerne einheizt", sagt Herr Hardorp. Außenseiter wegen der reformpädagogischen Ansätze Rudolf Steiners, der eine ganzheitliche Erziehung in einer anderen Form von Schule durchsetzen wollte. "Schmähungen sind das eine, Fakten das andere': sagt Herr Hardorp, "die sollen erst mal Steiner lesen." Wer das tut, der wird das Werk Steiners wahrscheinlich merkwürdiger finden als die Schulform, die sich auf seiner Theorie begründet.

Der Streit zwischen Waldorfbefürwortern und Waldorfgegnern hat mit Report eine neue Dimension erreicht, eine hysterische. Beide Seiten wollen siegen, und wer siegen will, muss Massen sammeln. Auf 50 Mitglieder beruft sich die Initiative der Waldorf- und Anthroposophiekritiker. Auf 760 Waldorfschulen und 1.200 Waldorfkindergärten weltweit beruft sich die Gegenseite. 'Wir sind eine Bewegung': sagt Waldörfler Hardorp. "Sie sind eine Sekte, schlimmer als Scientology sagt Anti-Waldörflerin Jacob.

Sektiererisch, rassistisch, antisemitisch? Während des Nationalsozialsimus war die Bewegung Rudolf Steiners verboten. Die Schulen wurden geschlossen. Den Nationalsozialisten passte weder die freiheitliche Ausrichtung der Pädagogik noch der Rassebegriff Steiners. Dabei finden sich in Steiners Werk durchaus Sätze wie "Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse". Gern haben sich die Anthroposophen nie mit diesem Kapitel auseinandergesetzt.

 

Steiner kein Rassist

In den Niederlanden ist das geschehen. Manche Waldorfschulen boten dort bis vor kurzem das Fach "Rassekunde" an. Also befasste sich eine Kommission mit dem Vorwurf des Rassismus in der Steinerschen Lehre. Nach eingehender Prüfung stellte die Kommission fest, dass es einige Stellen in Steiners Gesamtwerk gebe, die nicht unkommentiert veröffentlicht werden sollten. 16 Stellen, sagen die Waldörfler. 62 Stellen, sagen die Waldorfkritiker. Alles in allem aber stellte die Kommission fest, sei Steiner weder Rassist noch Antisemit.

Die Auseinandersetzung um Rassismus und Antisemitismus an Rudolf Steiner Schulen führt am eigentlichen Grund des Streites vorbei. Das ist ein Nebenkriegsschauplatz. In Wirklichkeit geht es darum, wie ein Kind richtig zu erziehen sei. Es geht um Bildung als Ideologie.

Waldorfbefürworter wie Waldorfgegner suchen nach dem Königsweg der Erziehung. Beide Seiten wähnen sich auf dem richtigen. Beide Seiten verachten die andere. "Unsere Erziehung hat nichts mit Ideologie zu tun'" sagt Herr Hardorp. "Dass ich nicht lache': sagt Frau Jacob.

An Staatsschulen herrsche kapitalistische Indoktrination, sagen die Waldörfler als Reformpädagogen. An Waldorfschulen herrscht die anthroposophische Indorktrination, sagen die Waldorfgegner. An Staatsschulen werde gleichgeschaltet und ausgesiebt, werde nur auf Ellenbogenkampf erzogen, die soziale Kompetenz komplett negiert, ereifern sich die einen. An Waldorfschulen werde lieb getan und bös psychologisiert, werde nur auf braves Getue erzogen, die gesellschaftliche Realität komplett negiert, urteilen die anderen.

Dabei sind sich beide Seiten in manchen Punkten sogar einig. "Schulen müssen transparent sein," sagt Waldörfler Hardorp. "Schulen müssen transparent sein'" sagt auch Waldorfkritikerin Jacob. "Unsere Schulen sind extrem transparent'" sagt Herr Hardorp. "Dass ich nicht lache", sagt Frau Jacob. Nur einige Linientreue im innersten Kern wüssten, was sich in den Schulen abspiele. Herr Hardorp wettert: "Transparenz ist bei uns enorm wichtig."

 

Wie ist es um jene bestellt, die außerhalb des Waldorfzirkels stehen und Fragen stellen?

"Mir hat man bisher keine Antwort auf meine Anfrage gegeben': sagt Willi Eisele, Oberstudiendirektor in Bayern. Eisele hat einen Fragenkatalog zum Geschichtsunterricht an öffentliche wie an private Schulen geschickt. Die meisten antworteten, die Waldorfschulen nicht. Sie verwiesen auf ihre Zentrale in Stuttgart. "Wer in fachlich-methodischen Fragen Intransparenz übt, setzt sich selbst dem Verdacht aus, etwas verbergen zu wollen', mahnt Eisele und trifft damit einen wunden Punkt.

Schulbücher gibt es im Unterricht bei Waldorfs nicht. Sein Wissen über die Lehrinhalte musste Oberstudiendirektor Eisele der "grauen Literatur" entnehmen - Bücher, die von den zentralen pädagogischen Materialstellen in Stuttgart und Kassel herausgegeben werden. Als Außenstehender Einblick zu erhalten in die Lehrinhalte an Waldorfschulen fällt daher nicht leicht. "Die Waldis tun manchmal schon arg geheim': sagt Andreas, ehemaliger Waldorfschüler, "aber ideologisch im Sinne von anthroposophisch wurde ich sicher nicht erzogen."

An Waldorfschulen gibt es keinen Anthroposophie-Unterricht. Weder Eltern noch Kinder müssen Anthroposophen sein oder sich mit der Lehre auskennen. Im Gegensatz zu den Waldorflehrern. Ihre Ausbildung ist ideologisch. Wer an einer Waldorfschule unterrichten will, besucht eine der neun Steinersehen Lehrseminare, liest die Hauptwerke des Meisters und macht sich anthroposophische Gedanken zur ganzheitlichen Erziehung.

Der Beschäftigung mit Steiner und seinen Lehren gehe man aus freien Stücken nach, betont die Waldörfler - ohne Druck, ohne Dogma, ohne Zwang. Christine Treiber sieht das anders. Sie war selbst Waldorfschülerin und ausgebildete Staatsschullehrerin. Sie besuchte das Lehrerseminar, um künftig an Waldorf-schulen unterrichten zu können. Was sie in der Ausbildung erlebte, empfand sie als extrem bevormundend. Sie erlebte Druck, Dogma und Zwang als wesentliche Grundzüge des Lehrerseminars und brach schließlich ab.

 

Anthro als Witzfigur

Der anthroposophische Rahmen soll die Lehrer in ihrem Verhalten gegenüber den Schülern führen, nicht aber Inhalt des Unterrichts sein. Inzwischen unterrichten viele ehemalige Staatslehrer an Waldorfschulen. Die echten Hardcore-Anthroposophenlehrer sind rar gesät. Sabine, frühere Waldorfschülerin in Stuttgart, sagt: "Wir hatten einen einzigen echten Anthro-Lehrer, aber der war eher die Witzfigur. Und die Kinder aus den Anthro- Familien, die nicht zu Partys durften und kein Fußballspielen, waren eher Außenseiter. Über die hat man gelacht."

Ihre Schwester Susanne, die heute in die neunte Klasse derselben Steiner-Schule geht, kichert nur über den Blödsinn mit dem Fußball- und Pfeifverbot und den Antisemitismus. "Allerdings kann es das an manchen Schulen auch geben. Das weiß man ja nie so genau' sagt sie.

Der Streit um den Vorwurf des Antisemitismus ging vor Gericht. Der Bund der Freien Waldorfschulen klagte auf Unterlassung und Gegendarstellungen mehrerer Aussagen des Report- Berichtes. Das Gericht wies den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den SWR zurück. Nur eine Behauptung muss Report unterlassen. Die, dass Juden "vermehrt" ihre Kinder von Waldorfschulen abmelden. Im übrigen habe der SWR lediglich die Frage aufgeworfen: "Rassismus und Antisemitismus in der Waldorfpädagogik?"

-------------- Quelle: die tageszeitung, D-Ausgabe vom 19.07.2000 

 

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Aus dem RHEINISCHEN MERKUR vom 4. August 2000

Waldorfschulen fordern das staatliche Wächteramt heraus

Von Josef K r a u s
Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)

Zusehends wächst die öffentliche Kritik an den Waldorfschulen und an der hinter ihnen stehenden Anthroposophie. Das ist gut so. Denn keine pädagogische Bewegung der letzten fünfzig Jahre wurde in ihrer Bedeutung so überschätzt und in ihrer Zweifelhaftigkeit so unterschätzt wie die Waldorfpädagogik. Gemeinhin galt das Credo: Waldorfschulen sind gute Noten, denn sie sind Schulen ohne Noten, ohne Ziffernzeugnisse, ohne Sitzenbleiben, ohne Stundentakt; Schulen der Integration, der Ganzheitlichkeit, der Projekte, der Kindgemäßheit, der Kreativität.

Das war schon immer ein bisschen viel auf einmal, und so prägte sich die polemische Etikettierung manch anthroposophisch orientierter Eltern und Waldorflehrer als einer alternativ angehauchten Anthropo-Soft-Schickeria. Vorbild ist und bleibt die Ur-Waldorfschule, die im Jahr 1919 von dem Waldorf-Astoria-Zigaretten-Industriellen Emil Molt in Stuttgart gegründet und von dem Anthropologie-Übervater Rudolf Steiner (1861 – 1925) bis zu seinem Tod geleitet wurde. Heute sind es in Deutschland 163 Waldorfschulen, in denen 65.000 Kinder unterrichtet werden.

Bei so viel Geschichte und “Pädagogik” muss man sich eigentlich wundern, warum diese Schulen nicht erheblich mehr Zulauf bekamen. Immerhin gibt es in Deutschland rund 40.000 allgemeinbildende Schulen und zehn Millionen Schüler an selbigen. Da machen die 168 Waldorf-Schulen mit ihren 69.000 Schülern (Stand: 1999) und die rund 20.000 bekennenden Anthroposophen nur Promilleanteile aus.

Dass der Blick hinter die Fassaden der Waldorf-Schulen bislang nicht gelang oder nicht angestrengt wurde, hat vielerlei Gründe. Wer wagt es schon, Fragen zu stellen, wenn alles so schön pädagogisch klingt! Ein wichtigerer Grund ist, dass sich alles, was mit Waldorf oder mit Anthroposophie zu tun hat, hermetisch gibt und dass Anthroposophie zum Markenzeichen eines kaum durchschaubaren Konzerns geworden ist, der von der privaten Hochschule und dem Demeter-Bund über anthroposophische Berufsverbände und Landbauschulen bis hin zu Treuhandstellen, Banken, Verlagen und Kosmetik-Firmen reicht.

Die bislang weitgehend ausgebliebene öffentliche Auseinandersetzung mit Waldorfpädagogik sowie mit Rudolf Steiner und dessen Anthroposophie dürfte ansonsten sehr praktische Gründe haben. Auch der engagierteste Wissenschaftler oder Publizist hat irgendwann keine Lust mehr, sich durch ein Steiner-Schrifttum durchzubeißen, das im Katalog 204 Seiten ausmacht und das mehr als 350, offenbar in permanenter Produktionsmanie entstandene Original-Steiner-Bände mit 4.500 zunächst mitstenografierten Vorträgen enthält. Und keinem ist zu verdenken, wenn er die Nase voll hat von der allgegenwärtigen Heiligsprechung Steiners, vor allem aber die Nase voll hat – um nur eine kleine Auswahl von Titeln und Kapiteln zu nennen – von: Reinkarnation und Karma, Gnosis und Kosmogonie, Seelenmetamorphose und Astral-Leib, okkulten Wahrheiten und spiritueller Ökonomie, ätherischer Welt und Akasha usw.

Zu sehr verquast ist Steiners Amalgamierung aus indischem Einschlag, deutschem Idealismus, Pantheismus, Kosmologie und Esoterik, als dass man sie einer Analyse unterziehen möchte. Zu kurios ist vieles in der praktischen schulischen Umsetzung, als dass man es ernst nehmen möchte: Dass Waldorf-Kinder nicht Fußball spielen dürfen, weil “das Fußballspielen ... die Beine geistig nicht frei (macht)” (Anthroposophische Zeitschrift “Info 3”). Dass die Kinder in manchen Schulen je nach “Temperament”, also ob sie cholerisch, phlegmatisch, sanguinisch und melancholisch sind, zusammengesetzt werden. Dass der Lehrer im Fachunterricht hauptsächlich eines tut, nämlich den Kindern in die Hefte zu diktieren. Dass die Kinder in den Waldorfschulen ein und denselben Klassenlehrer ganze acht Jahre lang haben, weil die Anthroposophie die menschliche Entwicklung in siebenjährige Zyklen einteilt usw.

Rassenkunde à la Atlantis

Mitte der 90er Jahre wurde erstmals vernehmbar am Steiner-Denkmal gekratzt. Ein Buch-Autor, Carsten Holm, warf Steiner Rassismus vor: “Und sie (die Anthroposophen) ignorieren den haarsträubenden Unsinn, den der Meister über ‚den Neger‘ faselte, der schwarz sei, weil er alles Licht aus dem Weltenraum aufsauge, der ‚dieses Kochen in seinem Organismus‘ und daher ein ‚starkes Triebleben‘ habe, aber gleichwohl ‚ein furchtbar schlaues und aufmerksames Auge‘” (Quelle: SPIEGEL special 11/96). Am 23. Februar 1997 fand die WELT am SONNTAG mit einem Beitrag unter dem Titel “Ein Rassist und Okkultist – Die verschwiegene Seite des Rudolf Steiner” großes Echo. Die Überschrift in der “taz” vom 28. September 1996 lautete: “Schluß mit Steiners Rassenlehre”.

Die Vorwürfe sind nicht unberechtigt. Steiner katalogisiert die Rassen in Schwarze mit “Hinterhirn” und “Triebleben”, in Gelbe mit “Mittelhirn” und “Gefühlsleben” und in Weiße mit “Vorderhirn” und “Denkleben”. Wörtlich: “Diese Schwarzen in Afrika haben die Eigentümlichkeit, daß sie alles Licht und alle Wärme vom Weltenraum aufsaugen ... Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls ... Der Neger hat also ein starkes Triebleben.”

Nach Rudolf Steiner ist die Rassengliederung kosmologisch begründet und von den Mysterienführern der Atlantis ins Werk gesetzt. Ein Ernst Uehli rekapituliert diese “Theorie” in seinem Buch “Atlantis”, das 1936 erstmals und 1980 in dritter Auflage erschien – und: das im Dezember 1998 (!) in den von der Pädagogischen Forschungsstelle der Waldorfschulen herausgegebenen “Literaturangaben für die Arbeit des Klassenlehrers an einer Freien Waldorfschule” zum Geschichtsunterricht der 5. Klasse empfohlen wird.

In diesem Uehli-Werk finden sich Rasse-Beschreibungen wie folgende: Die Saturn-Rasse sind die Indianer. Bei dieser “roten Rasse” sei die Pigmentierung der Haut das physiologische Merkmal der “Diskrepanz von zu starkem, nach außen drängendem Ich-Gefühl und unterliegendem Organismus”. Und an anderer Stelle: “Der heutige aussterbende Indianer ist in seiner äußeren Erscheinung verknöchert, im Denken greisenhaft.” Die Merkur-Rasse ist die “schwarze Rasse”, deren “zu schwaches Ich-Gefühl bewirkte, daß sie der Sonnenwirkung zu stark ausgesetzt war und sich daher zu viel kohlenartige Bestandteile unter der Haut ablagerten. Und weiter: “Der heutige Neger ist kindlich, ist ein nachahmendes Wesen geblieben.” Ähnlich verquer fällt die Beschreibung der Mars-Rasse (z.B. Hunnen und Mongolen) und der Venus-Rasse (Malaien) aus. Demgegenüber freilich die Arier: “Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.” (Uehli, S. 126)

Sozialethische Desorientierung?

Diese Literaturempfehlung samt Zitaten ist Anfang Juli durch die ARD-Sendung “Report”, an der der Verfasser als Interviewpartner beteiligt war, öffentlich geworden. Die Reaktion des Bundes der Freien Waldorfschulen, des Dachverbandes aller Waldorfschulen, war bezeichnend und verharmlosend zugleich: Die öffentliche Kritik sei überzogen, Uehlis Buch sei eine problematische, vereinfachte Darstellung aus dem Werk Steiners. Das Buch werde deshalb von der Bücherliste gestrichen. Also wieder Friede, Freude, Eierkuchen und ansonsten halt nur eine öffentliche Kampagne? So einfach ist es doch wohl nicht! Zur kritischen Selbstreflexion reicht es in deutscher Anthroposophie offenbar nicht. Man bedauert allenfalls das, was gerade öffentlich angeprangert wurde. Zu so viel Mut wie den holländischen Steiner-Anhängern fehlt es dessen Anhängern hierzulande: In Holland entschloss man sich immerhin zur Feststellung, 62 Textstellen aus dem 89.000 Seiten starken Werk Steiners dürften nicht unkommentiert weitergegeben werden

Mittlerweile hat sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften der Sache angenommen. Sie überprüft im Auftrag des Bundesjugendministeriums, ob das Uehli-Buch nicht den Tatbestand der “sozialethischen Desorientierung” Jugendlicher erfüllt und auf den Jugend-Index gehört. Egal wie dieses Prüfverfahren ausgeht: Es muss dies ein Anstoß sein zur überfälligen kritischen Auseinandersetzung mit dem Menschenbild Steiners und mit der Pädagogik der Waldorfschulen. Mit der Absetzung des Buches von Uehli ist es nicht getan. Hätte irgend ein Lehrerausbilder im öffentlichen Schulbereich auch nur eine der zitierten Aussagen getätigt oder entsprechende Literatur in der Ausbildung junger Lehrer empfohlen, dann wäre es nicht mit dem Streichen eines Titels aus einer Literaturliste getan, sondern dann wäre zu Recht ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Dass die Öffentlichkeit sehr sensibel reagiert, wenn rassistisches Gedankengut vertreten wird, ist gut so. Verlogen wirkt diese Sensibilität, wenn je nach Provenienz solcher Äußerungen Unterschiede gemacht werden. Der Rechtsstaat muss sein Wächteramt ohne Ansehen der Betroffenen ausüben, wenn es um zweifelhafte Leitbilder und Inhalte geht. Auch Waldorfschulen unterliegen dem Grundgesetz Artikel 7 Absatz 1: “Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.” Diesem Grundsatz können sich die Waldorfschulen nicht dadurch entziehen, dass sie stereotyp darauf verweisen, sie seien keine Weltanschauungsschulen und die Anthroposophie sei kein Gegenstand des Unterrichts. Immerhin führen nicht wenige solcher Schulen “Steiner” im Namen. Name ist Programm. Und zweifellos spielen anthroposophische Inhalte eine große Rolle im Waldorfunterricht – man denke nur an Atlantis und nochmals Atlantis im Geschichtsunterricht.

Ansonsten? Vor allem die Eltern der Waldorfschüler, die gewiss größtenteils keine Anthroposophen sind, sollten wenigstens hellhöriger werden. Und sodann haben die Kirchen verstärkt die Aufgabe, sich kritisch mit Anthroposophie auseinander zu setzen, auch wenn letztere bereits am 17. Juli 1919 von Papst Benedikt XV. verurteilt worden ist. Gerade aus kirchlicher Sicht jedenfalls provoziert die Steiner-Gemeinde die Vermutung, auf sie könnte so manch typisches Merkmal sektiererischer Gruppen zutreffen – neben dem totalen Welterklärungsanspruch und dem Großen Meister unter anderem die Inflation an Klagen vor Gericht, wenn es darum geht, Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Fundort: http://www.lehrerverband.de/waldorfs.htm oder http://www.akdh.ch/ps/03uebersinn.htm

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