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Waldorfschulen im Zwielicht

Materialsammlung und Einführung in die öffentliche Kontroverse um die Waldorf-Schulen und um Rudolf Steiners Anthroposophie

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“Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt,
hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens,
und dass es sich dennoch erhalten hat,
ist ein Fehler der Weltgeschichte,
dessen Folgen nicht ausbleiben konnten.”

 
Rudolf   Steiner, Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Bewegung

 

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Einführung

Entwicklung der Waldorfschulen in Deutschland

Rassismus und Antisemitismus in Rudolf Steiners Philosophie

Wie gehen deutsche Behörden mit dem Rassismus-Vorwurf  gegen Waldorfschulen um?

EXKURS: Waldorf, die TAZ, die NRW-Grünen und der Schulversuch ´Selbstständige Schule´

Der Umgang der deutschen Anthroposophen und Waldorf-Gemeinde mit dem Rassismus-Vorwurf

Und in den Niederlanden ?

Und in Frankreich ?

Kritische Elternberichte aus deutschen Waldorfschulen

 

Entwicklung der Waldorfschulen in Deutschland

Bis vor einigen Jahren erlebten die Waldorfschulen in Deutschland eine Zeit zunehmender Popularität und scheinbar ungebrochenen Wachstums, was sich in einer Fülle von Neugründungen niederschlug.

  Zahl der Waldorfschulen in Deutschland

  1951

  25

  1974

  37

  1985

  84

 1990

 118

  1995

 164

  2003

ca. 170

BaWü: 48, NRW: 48
Bay: 17, HH: 7,
Sa: 3, Sa-Anh.: 2

Ab etwa 1997 jedoch wurde erstmals seit mehreren Schülergenerationen von einer ,,rapiden Abnahme” der Neuanmeldungen an Waldorfschulen berichtet. Der steile Aufwärtstrend der letzten Jahrzehnte hatte sich erstmals abgeflacht: ,,In diesem Herbst kämpft ein Großteil der Waldorfschulen in Hessen mit teilweise dramatischen Rückgängen der Schülerzahlen”, berichtete die anthroposophische Monatsschrift ,,Info 3” . Wegen des mit dem Schülerschwund auch verbundenen Rückgangs staatlicher Gelder sowie der Schulbeiträge der Eltern habe der ,,Allmende- Treuhand -Verbund”, in dem die meisten anthroposophischen Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet kooperieren, bereits zu einem Seminar über ,,Konkurse in anthroposophischen Einrichtungen” eingeladen.

 

Von Waldorf-Seite führte man den Rückgang der Anmeldungen auf negative Medienberichte zurück, aber auch auf die ,,schlechtere wirtschaftliche Lage der Familien”, die sich die inzwischen bei monatlich 400 DM pro Kind angelangten durchschnittlichen Schulbeiträge nicht mehr leisten könnten, sowie auf die ,,Aufbruchsstimmung” in den staatlichen Schulen.

 

Gleichzeitig wurde - nicht nur in in Deutschland - die Kritik an bestimmten Konzepten, Unterrichtsformen und -inhalten der Waldorfschulen lauter und dämpfte zunehmend die Begeisterung für diese Schulen, in denen viele bis dahin  kleine Elite-Tempel des Friedens, der Eintracht und der musischen Besinnung und Bewegung gesehen hatten, wo sich das Lernen weitgehend angstfrei, ohne Notendruck und auf der Basis von Toleranz und Freiheit vollzieht; von denen viele glaubten, sie seien im guten Sinne alternative Schulen, Schulen ohne Noten, ohne Ziffernzeugnisse, ohne Sitzenbleiben, ohne Stundentakt; Schulen der Integration, der Ganzheitlichkeit, der Projekte, der Kindgemäßheit, der Kreativität (Josef Kraus).

 

Die esoterisch-vernebelten, oft obskuren, nicht selten rassistischen und antisemitischen Töne der hinter der Waldorf-Pädagogik stehenden Ideologie des STEINERschen Anthroposophie waren entweder nicht bekannt oder man sah achselzuckend darüber hinweg. Insider-Berichte über  haarsträubende Unterrichtsinhalte, -methoden und -ergebnisse, über dumpfe Engstirnigkeit, über ein völlig verkrampftes Verhältnis zur Sexualität und über ausgesprochen sekten-ähnliche Praktiken von Teilen des Personals wurden nicht ernst genommen. Mochten Insider die Waldorfschulen noch so oft als nur scheinbar soft aber im Kern auf subtile Weise autoritär und konfliktscheu beschreiben, mit Frontalunterricht, Auswendiglernen, Aufsagen im Chor, sozialer Kontrolle bis ins Elternhaus, wo kein Fernseher stehen darf, wo LEGO streng verpönt ist, wo Balletunterricht nicht sein soll, mit Fußballverbot und Diskriminierung, etwa wenn Kinder sich weigern, die religiösen Morgensprüche aufzusagen - nur wenige wollten es hören.

 

Das änderte sich, als Ende der 90er Jahre publik wurde, dass im Dezember 1998 (!) in den von der Pädagogischen Forschungsstelle der Waldorfschulen herausgegebenen “Literaturangaben für die Arbeit des Klassenlehrers an einer Freien Waldorfschule” zum Geschichtsunterricht der 5. Klasse das Buch “Atlantis” des STEINER-Mitarbeiters Ernst UEHLI empfohlen wurde, in dem dieser die Rassenlehre Rudolf STEINERs rekapituliert, nach der die Rassengliederung kosmologisch begründet ist und von den Mysterienführern der Atlantis ins Werk gesetzt wurde. Manche erinnerten sich: Ernst Bloch hielt die ganze anthroposophische Bewegung für "faschistoid" (Bloch, "Erbschaft dieser Zeit", Frankfurt 1956)

 

"Die Rassen sind, laut STEINER, Ausdruck unseres karmischen Status: Während Indianer unter einem "früh verhärteten Leib" leiden, Neger vor allem gut tanzen können und der Asiate seine innere Leere hinter einem unergründlichen Lächeln verbirgt, kann nur der weiße Mann zur spirituellen Weisheit aufsteigen. Neben Karma und Klimbim wird unser Schicksal durch die sieben "Wurzelrassen" bestimmt. Die zerfallen in sieben Unterrassen, alle beladen mit einer Mission. Von 1415 bis 3573 ist die nordisch-germanische Rasse am Drücker. Die Vorgänger-Wurzelrasse waren die Bewohner von Atlantis, wo sich 1 Millionen Jahre lang (!) Kultur ballte, die Autos fliegen konnten und die Menschen mit Gemüse heizten. Vorgänger der Atlantoiden waren die "Lemurier", die den Willen entwickelten und ihre Kinder gerne mit spitzen Gegenständen durchbohrten. Direkt nach den Atlantoiden kommen die Arier. Die repräsentieren endlich die überlegene weiße Rasse, wohingegen Neger "alle Wärme des Weltalls" im Rückenmark (!) ansammeln, deshalb inwendig "gekocht" werden und daher ein starkes Triebleben haben – (sic!).” (nach SAUER)

 

In dem – für die Arbeit des Klassenlehrers an einer Freien Waldorfschule zum Geschichtsunterricht der 5. Klasse empfohlenen - UEHLI-Werk finden sich Rasse-Beschreibungen wie die folgende: Die Saturn-Rasse sind die Indianer. Bei dieser “roten Rasse” sei die Pigmentierung der Haut das physiologische Merkmal der “Diskrepanz von zu starkem, nach außen drängendem Ich-Gefühl und unterliegendem Organismus”. Und an anderer Stelle: “Der heutige aussterbende Indianer ist in seiner äußeren Erscheinung verknöchert, im Denken greisenhaft.” Die Merkur-Rasse ist die “schwarze Rasse”, deren “zu schwaches Ich-Gefühl bewirkte, daß sie der Sonnenwirkung zu stark ausgesetzt war und sich daher zu viel kohlenartige Bestandteile unter der Haut ablagerten. Und weiter: “Der heutige Neger ist kindlich, ist ein nachahmendes Wesen geblieben.” Ähnlich verquer fällt die Beschreibung der Mars-Rasse (z.B. Hunnen und Mongolen) und der Venus-Rasse (Malaien) aus. Demgegenüber freilich die Arier: “Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.” (UEHLI, S. 126)

 

Rassismus und Antisemitismus
in Rudolf STEINERs Philosophie

Durch die Vorgänge um das UEHLI-Buch wurden nun auch die berüchtigten Äußerungen in den Werken von Rudolf STEINER selbst  - dem noch immer hochverehrten Gründer und ´Guru´ der Anthroposophie und der Waldorf-Gemeinde - wieder vermehrt zum Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit und z.T. harter öffentlicher Auseinandersetzungen. Das ARD-Magazin ´Report´ aus Mainz setzte sich in drei Sendungen ausführlich mit der Thematik auseinander und das öffentliche und Presseecho war groß . Die Auseinandersetzungen zogen sich über annähernd 2 Jahre hin sind keineswegs beendet. Es geht dabei  in der Öffentlichkeit (leider) nicht so sehr um die STEINERsche Rassenlehre als Gesamtkonzept seiner Philosohie, sondern vor allem um einzelne unerträgliche Äußerungen, die er in seinen Werken gemacht hat.

 

Würde Rudolf STEINER einige seiner Aussagen heute veröffentlichen, müsste er sich wohl wegen Verletzung des Anti-Rassismus-Gesetzes verantworten: "Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion alleine, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise." (STEINER 1888, Gesamtausgabe Band 32; Aus: Gesammelte Aufsätze der Literatur, Dornach 1971, S. 152 f, GA 32)

 

”Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse” (Gesamtausgabe GA, Bd. 349, S. 52) ”Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich ein Unfug, dass sie jetzt in Europa eine große Rolle spielt” (GA, Bd. 349, S. 53) ”...da entsteht durch rein geistiges Lesen der Negerromane eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben, die mulattenähnlich aussehen werden” (GA, Bd. 348, S. 186)

 

Es handelt sich insgesamt um einige 50 oder 60 Textstellen (in dem ca. 89 000 Seiten umfassenden Gesamtwerk von STEINER), von denen nicht wenige – wie z.B. die folgende -  geradezu unsäglich und bizzarr wirken:

"Zuletzt würden nur mehr Braun- und Schwarzhaarige da sein können; aber wenn nicht abgeholfen wird, so bleiben sie zugleich dumm. Denn je stärker die Körperkräfte sind, desto weniger stark sind die seelischen Kräfte. Und die Erdmenschheit würde vor der Gefahr stehen, wenn die Blonden aussterben, dass die ganze Erdenmenschheit eigentlich dumm würde. (...) Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würde, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss durch eine geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man kann also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Masse, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. (...) Denn es ist tatsächlich so, dass, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer." (Rudolf STEINER: Über Gesundheit und Krankheit. Dornach 1983, S. 103) 

Diese auf den ersten Blick nur absurden Sätze gewinnen freilich eine erschreckende Dimension, wenn man weiß, daß zur selben Zeit ein gewisser LANZ von LIEBENFELS, ein geistiger Wegbereiter Hitlers, ganze Bücher mit seinen Fantasien von der Herrschaft der Blondhaarigen und Blauäugigen füllte. Fantasien, die wenige Jahre später grausame Wirklichkeit werden sollten.

 

 

Wie gehen deutsche Behörden mit dem Rassismus-Vorwurf gegen Waldorfschulen um?

Nachdem man das Bundesfamilienministerium auf das UEHLI-Buch aufmerksam gemacht hatte, erkannte man dort sofortigen Handlungsbedarf. O-Ton Peter Haupt, Staatssekretär, Bundesfamilienministerium: »Dieses Buch hat uns doch sehr erschreckt. Es stammt ja von einem Schüler von STEINER, der die Philosophie für die Waldorfschulen entwickelt hat, und in diesem Buch gibt es Aussagen über eine Rassensystematisierung. Es wird von Negern gesprochen, die eben einfach nicht weiterentwicklungsfähig seien, und es werden andere Rassen dargestellt, die im Grunde Zerfallserscheinungen haben werden, und die seien auch schon erkennbar. Und insoweit erfüllen die Aussagen dieses Buches aus unserer Sicht zweifelsfrei einen Sachverhalt, der unter den Begriff, den weitesten Begriff der Rassendiskriminierung fällt. Wir haben deshalb heute einen Antrag gestellt, bei der uns unterstehenden Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die aus unserer Sicht dieses Buch verbieten muss.«

 

Abgesehen von dieser ad-hoc-Reaktion vermisst man jedoch in Deutschland seit langem, dass der Rechtsstaat seine Verantwortung an dieser Stelle konsequent wahrnimmt. Schließlich unterliegen auch Waldorfschulen dem Grundgesetz Artikel 7 Absatz 1: “Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.” Scheint doch auf die STEINER-Gemeinde so manches typische Merkmal sektiererischer Gruppen zuzutreffen: der totale und zugleich inhaltlich absurde Welterklärungsanspruch, die Neigung zu teilweise drastischen Eingriffen in das Privat- und Familienleben der Waldorfschüler bzw. -eltern, das Phänomen des ´Großen Meisters´ (“Der Herr STEINER hat aber gesagt, . . . “), und nicht zuletzt auch die Inflation an Klagen vor Gericht, wenn es darum geht, Kritiker zum Schweigen zu bringen.

 

Aber die Zahl heimlicher und unheimlicher Sympathisanten ist wahrscheinlich bereits zu groß geworden als dass man erwarten könnte, hier würde ohne Ansehen der Person vorgegangen – während man sich zur gleichen Zeit angesichts eines viel geringeren Einflusses der ´Scientology-Sekte´ bereits bedroht gibt.

 

Immerhin sind auch heute noch nicht wenige Waldorfschulen nach Rudolf STEINER benannt, einem ´Vorbild´ mit weithin bekannten rassistischen und antisemitischen Positionen! Name ist Programm. Und zweifellos spielen anthroposophische Inhalte eine Rolle im Waldorfunterricht – man denke nur an Atlantis und nochmals Atlantis im Geschichtsunterricht.

 

aus einem weiteren Schülerheft

 

mehr Skurriles zu ´Atlantis´

 

 

 

 

 

(aus einem Schülerheft, 5. Klasse Waldorfschule)

Stattdessen erhalten die Anthro-Einrichtungen reichlich öffentliche Unterstützung. Berechnungen der WamS Ende der 90er Jahre zeigten, dass allein an Erstattung der Betriebskosten jährlich um die 400 (vierhundert)  Millionen DM an staatlichen Subventionen in die Waldorf-Kassen flossen.  In NRW wird gar eine ganze private Waldorf-Hochschule (Witten-Herdecke) vom Land mit Millionenbeträgen gesponsort - übrigens die erste Hochschule in NRW mit Studiengebühren. An manchen erziehungswissenschaftlichen Fachbereichen gehört die Waldorfpädagogik zu den anerkannten Ansätzen. Und Waldorfschulen erhielten von städtischen Verwaltungen oft eine bevorzugte Behandlung (z. B. in Köln).

 

 

Exkurs:
Die wertvollste Unterstützung für die Steinerianer in den Auseinandersetzungen Ende der 90er Jahre kam übrigens von der TAZ, die regelmäßig Sonderseiten zur Anthroposophie veröffentlichte und die viele ihrer Einrichtungen zur Stamm-Anzeigenkundschaft rechnete. Die TAZ (5.2.1997) traute sich seinerzeit zwar nicht, direkt die dokumentierten Fakten über STEINERs Rassismus zu leugnen. Aber man versuchte, die Kritik durch Übertreibung zu karikieren ("Ein Gruselhandbuch"). Auf die Verbindung zu einem parteipolitischen Lager, die sich hier andeutet, trifft man womöglich an anderer Stelle wieder. So gibt es z.B. deutliche Parallelen zwischen bildungspolitischen Positionen, wie sie von den Waldorfianern vertreten werden und der bildungspolitischen Praxis der “Grünen” in NRW und anderswo mit ihrem Vorstoß in Sachen ´Selbständige Schule´. 

 

 

Zum Umgang der deutschen Anthroposophen
mit dem Rassismus-Vorwurf

Man sollte meinen, dass diese Ideen und Äußerungen STEINERs heute auch bei den Verantwortlichen der Waldorf-Gemeinde nichts als Abscheu hervorrufen können. Aber weit gefehlt! Nicht nur dass die ´offiziellen´ STEINER-Biographien einen völlig unkritischen Tenor haben, dass weiterhin viele Waldorfschulen STEINERs Namen tragen; es tauchten auch immer wieder Berichte aus einzelnen Waldorfschulen auf – von Eltern und / oder Schülern – die rassistische Untertöne im Unterricht bemerkt haben und belegen konnten. Und es fanden sich in diesem Zusammenhang Schulhefte, in denen es viel um Atlantis und um Arier ging. Kein Wunder, nach STEINER sind diese eben die am höchsten entwickelte Rasse.

 

Die deutsche Waldorf-Gemeinde weigert sich darüber hinaus standhaft – anders als etwa die österreichische und niederländische -  sich von der Rassenlehre und von den Aussagen ihres Gründers und Chefideologen STEINER mit hinreichender Deutlichkeit zu distanzieren. Sie ziehen es vor, seine skandalösen Äußerungen als aus dem Zusammenhang gerissen zu verteidigen oder sie versuchen, sie zu "erklären" und historisch zu relativieren, wie es etwa die Deutsche Anthroposophische Gesellschaft und der Bund der Freien Waldorfschulen tun. Dazu zwei Beispiele:

1. Die Forderung, dass sich die Waldorfbewegung heute von Aussagen STEINERs (”Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse” und ”Der Neger hat also ein starkes Triebleben” etc.) distanziert, lehnt zum Beispiel der bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, Dr. Detlef Hardorp, ab, weil die Sätze in ihrem Gesamtzusammenhang oft etwas völlig Anderes bedeuten würden. Er führt wortreich aus, diese Aussagen stammten aus einem Vortrag, den STEINER am 3. März 1923 vor Bauarbeitern hielt. Hardorp ergänzt: ”Lassen wir einmal die Tatsache unbeachtet, dass dieser Vortrag mit Waldorfpädagogik überhaupt nichts zu tun hat.” Die Erklärungen des Gesamtzusammenhanges würden den Rahmen sprengen – so Hardorp. Kurz gefasst könne man dies durch ein Zitat aus STEINERs Vortrag erklären. Dort heiße es, zu Afrika gehöre die schwarze Rasse oder die Neger-Rasse. ”Die Neger-Rasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, dass sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielen.” Im Zusammenhang könne man das als Kommentar des Brauchs bewerten, dass in dieser Zeit Schwarze in europäischen Tierparks ausgestellt wurden. Man ging also sonntags am ”Neger-Käfig” vorbei spazieren. Von der gebotenen entschiedenen Distanzierung keine Spur.

2. Rudolf STEINER schrieb: ”Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte.” Er machte die Aussage 1888 im Alter von 27 Jahren. Der Anthroposoph Dr. Andreas Heertsch "distanziert sich auf folgende Weise: Er sieht die zitierte Aussage von STEINER lediglich als Polemik, die dieser ”aus der Stimmung seiner Zeit und dem jugendlichen Vergnügen an drastischen Formulierungen” geschrieben habe. Zu deutlicheren Worten findet er nicht. 

siehe zu diesem Thema auch

 

 

Und in den Niederlanden ?

In den Niederlanden wurde angesichts nicht verstummender Vorwürfe Ende der 90er Jahre eine Untersuchungskommission der Anthroposophischen Vereinigung aktiv und hat offiziell festgestellt: So manches, was Rudolf STEINER gesagt hat, wäre heute strafbar. Italiener hielt der Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Schulen für »degeneriert«, die »Malaien« für »unbrauchbare Menschen«. Weiße Frauen warnte STEINER, sie sollten während der Schwangerschaft keine »Negerromane« lesen, sonst bekämen sie »Mulattenkinder«. Begonnen hatte die Debatte über STEINERs Rassismus drei Jahre zuvor, als die Eltern eines Waldorf-Schülers in der Presse aus einem Schulbuch zitierten: »Neger haben dicke Lippen und viel Gefühl für Rhythmik«, hieß es da und »das immerwährende Lächeln des gelben Menschen verbirgt seine Emotionen«. Der stellvertretende Vorsitzende der Niederländischen Anthroposophischen Vereinigung, Christof Wiegert, versuchte daraufhin in einem Radiointerview die Wogen der Auseinandersetzung zu glätten und STEINERs Ansichten über Rassenunterschiede zu erläutern, indem er auf die »speziellen Qualitäten« dunkelhäutiger Fußballspieler bei Ajax Amsterdam verwies. »Man sieht doch gleich, daß da Vitalitätsüberschüsse existieren, die unsereiner nicht hat«. Wiegert mußte nach Protesten gegen seine Äußerungen zurücktreten.

62 Textstellen aus der 89.000 Seiten umfassenden Gesamtausgabe sollen, so die Untersuchungskommission der Niederländischen Anthroposophen, zukünftig nicht mehr unkommentiert weitergegeben werden. Außerdem stellte diese fest: An den Waldorf-Schulen wurden »als Folge von Nachlässigkeiten Stereotypen verwendet, die Diskriminierung fördern können«.

 

In den niederländischen Waldorf-Schulen wurden damals Konsequenzen gezogen: Das Fach »Rassenkunde« wurde abgeschafft und alte Bücher mit diskriminierenden Texten wurden ausgesondert. In der Bundesrepublik, in der diese Diskussion eher mit Besorgnis gesehen wurde, dämmerte manchen Waldorf-Eltern »die Erkenntnis, daß ihr Kind nicht ganzheitlich, angstfrei oder sonstwie progressiv erzogen wird, sondern einer kleinbürgerlich-muffigen, repressiven Atmosphäre ausgesetzt ist«, wie es Martina Kayer und Paul-Albert Wagemannn in ihrem kritischen Buch »Wie frei ist die Waldorf-Schule. Geschichte und Praxis einer pädagogischen Utopie« (Heyne-Sachbuch 404, 14,90 DM) feststellten.

 

 

Und in Frankreich ?

Der regierungsamtliche Kampf gegen ”Kulte” in Frankreich gilt seit langem ausdrücklich auch der Anthroposophie und den Waldorfschulen. So ist es kein Zufall, dass in ganz Frankreich nur ganze 12 Waldorfschulen existieren, davon nur drei mit  einer eigenen Sekundarstufe 2 .

 

Seit 1998 gibt es die ”Interministerielle Kommission zum Kampf gegen die Sekten/Kulte” (MILS) in Frankreich. Vorgänger war eine Kommission, die in einem 1996 vorgelegten Bericht 173 Gruppierungen als Kulte eingestuft hatte, darunter die Zeugen Jehovas und die Scientology-”Kirche” (nicht aber die Freimaurerei oder Opus Dei). Ihnen warf die Kommission die Verbreitung antisozialer Verhaltensweisen, ja sogar die Unterwanderung der Republik vor.

 

Im Jahr 2000 verfasste die MILS eine Fallstudie ”über die von Rudolf STEINER begründete anthroposophische Bewegung” und empfahl ”eine verstärkte Überwachung der STEINER-Schulen”.

 

Eine Folge dieser Aktivitäten war das im Juni 2001 in Kraft gesetzte About-Picard-Gesetz, das ”kultähnliche Bewegungen” unter Beobachtung stellt. ”Kultähnlich” sind soziale Bewegungen, die ”unverhältnismäßige” finanzielle Opfer abverlangen, zu Wahlverzichten ermutigen, ”antisoziales” Verhalten nahe legen und Familienmitglieder untereinander entfremden. Die Anthroposophie wurde in diese Kategorien eingeordnet.

 

Die Auseinandersetzungen um diese Vorgänge haben dann später zum Rücktritt von Alain Vivien, dem Präsidenten der MILS, geführt. Die Kommission wurde vom neuen Premierminister, Jacques Chirac, aufgelöst. Im November 2002 rief er eine Nachfolgekommission ins Leben: die ”Interministerielle Kommission zur Überwachung und Bekämpfung sektiererischer Abweichungen”, MIVILUDES. Sie soll nunmehr ihre Aufmerksamkeit auf ”sektiererische Abweichungen” und nicht auf Sekten richten.

 

Das Personal der MIVILUDES unterscheidet sich jedoch nicht allzu sehr von dem der MILS. Auch die Eltern-Lehrer-Vereinigungen mit ”sekten”feindlicher Orientierung sind wieder vertreten, so die ADFI (Verein für die Verteidigung der Familie und des Individuums) und das CCMM (Zentrum gegen mentale Manipulation). Die Zusammensetzung der MIVILUDES lässt also kaum eine Veränderung der Grundorientierung der Kommission erwarten.

 

 

Kritische Elternberichte aus deutschen Waldorfschulen

Statt wortreicher Darlegungen möchte ich an dieser Stelle die Lektüre des hochinteressanten Buches von Sybille JACOB  empfehlen, bietet sie doch auf dem Hintergrund jahrelanger intensiver eigener Erfahrungen einen tiefen und sehr konkreten Einblick in die alltäglichen Abläufe an einer alltäglichen Waldorfschule mit einer Fülle von höchst überraschenden Details. Einige interessante Auszüge aus dem Bändchen habe ich beigefügt .

 

Zu Recht weist Frau Jacob vorab darauf hin, dass es - wie an den von Waldorf so pauschal kritisierten staatlichen Schulen - auch bei Waldorf positive Erfahrungen gibt, engagierte Lehrer, dass die einzelnen Schulen höchst unterschiedlich sind, unterschiedlich geführt werden, dass es im konkreten Fall stark auf die Lehrerpersönlichkeit ankommt.

 

Sicherlich können derartige Berichte, ganz gleich aus welcher Schule und Schulform, gelegentlich problematisch sein und müssen dann mit einiger Distanz zur Kenntnis genommen werden, wenn sie aus der rundum vorwurfsvollen Grundhaltung von enttäuschten ”Ehemaligen” heraus verfasst wurden, die an ihrer ehemaligen Schule kein gutes Haar lassen. Das ist aber bei dem Bändchen von Sybille JACOB so nicht der Fall. Man gewinnt vielmehr angesichts der Fülle von konkreten Details ein facettenreiches Bild vom täglichen pädagogischen Ambiente und auch vom "heimlichen Lehrplan" dieser Institution.

 

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Zitat aus einer Waldorf-Stellungnahme zum PISA-Debakel

“ . . .
1. Daher zum Ersten: Schafft die rechtliche Kompetenz der Politiker in Sachen Schule ab. . . .
2. Befreit die Lehrer von den Ruhekissen des anachronistischen Beamtentums, . . .
3. Schafft das staatliche Berechtigungswesen ab. . . .
. . . “

Quelle: http://www.waldorfschule.info/aktuell/pisa_goette.htm


 

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 Schülerheft Rudolf Steiner Schule Basel:  aus dem Fach "Alte Kulturen"

 Fundort: http://www.akdh.ch/ps/ps_79Atlantis-Basel.html


Hefttext: ...Gebirge falteten sich, Meere flossen ab, Erdachse und Drehgeschwindigkeit veränderten sich mehrmals. Im Gebiet der heutigen Azoren-Inseln im Atlantik lag einst ein Inselkontinent: Das sagenhafte Atlantis.
...dort muss der Ursprung vieler grosser Kulturen gewesen sein. Auswanderungen nach Ost und West sind überliefert.

 

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Rolf Jüngermann
Oktober 2003